«Sonnencreme» für Bäume

«Sonnencreme» für Bäume

Nicht nur Menschen, auch Bäume können einen Sonnenbrand bekommen. Schwere Schädigungen am Stamm sind die Folge. Mit einem Schutzanstrich lässt sich das Risiko deutlich verringern. Dieser lohnt sich auch vorbeugend gegen Frostrisse.

Anfällig auf Sonnenbrand sind vor allem dünnrindige Jungbäume von Ahorn, Linde, Rosskastanie oder Buche. Die dünne Rinde kann die Hitze durch die Sonneneinstrahlung nicht so gut isolieren wie die dicke Borke älterer Bäume. Eine Zunahme von Stammschäden an jungen Streuobst- und Strassenbäumen ist seit etwa 30 Jahren zu beobachten. Als Hauptursache für die thermischen Schäden wird die intensivere Sonneneinstrahlung verantwortlich gemacht. Was im Obstbau schon lange üblich ist, findet immer mehr auch bei Strassen- und Gartenbäumen Anwendung: ­junge Bäume mit einem weissen Schutz­anstrich vor der intensiven Sonne zu schützen.

Vor Hitze- und Kälteschäden schützen

Thermische Rindenschäden an Laubhölzern können auch durch Kälte verursacht werden. Besonders bei Obst- oder Nussbäumen treten häufig Frostrisse auf. Starke Temperaturunterschiede im Frühjahr zwischen Tag und Nacht verursachen auf der Südseite Spannungen, die zu Rissen führen können. Um dem vorzubeugen, wird traditionell das «Baumweissen» mit einem Kalkanstrich angewendet. Allerdings ist dessen Haltbarkeit begrenzt. In den letzten Jahren sind neue Stammanstriche entwickelt worden. Sie bestehen aus Tonmineralien, Kalk, Gesteinsmehl, natürlichen Haftmitteln und diversen Spurenelementen und sollen das Rindengewebe pflegen, elastisch halten sowie Hitzeschäden und Frostrissen vorbeugen. Die Haltbarkeit des Anstrichs liegt bei drei bis fünf Jahren. Der Anstrich soll vom Stammfuss bis zum Kronenansatz erfolgen, bei Jungbäumen stammumfassend, bei freigestellten Altbäumen genügt die Südwestseite. Die dehnungsfähige Farbe legt sich dauerhaft als weisser Belag auf dem Stamm ab und schützt, ohne die Wuchs- und Schutzfunktion der Borke zu beeinträchtigen. Mit dem ­Dickenwachstum bekommt sie Risse, während sie langsam und voll­ständig ­biologisch abgebaut wird. Wichtig für die Haltbarkeit ist auch die richtige Verarbeitung. In der Regel erfolgt der Anstrich bei der Pflanzung. Die Temperatur sollte über 10 °C und in der Nacht mindestens 5 °C betragen und der Stamm trocken sein. Die Haltbarkeit lässt sich verbessern, wenn man den Stamm vorab mit einer Bürste reinigt und lose Partikel sowie Flechten und Moose entfernt. Eine Grundierung verbessert das Haftvermögen, ­erleichtert den nachfolgenden Farb­auftrag und senkt dessen Verbrauch um 10 bis 20 %. Neuerdings gibt es auch Produkte, die ohne Grundierung zeitsparend direkt auf die Rinde aufgesprayt werden. Momentan kommen allerdings nur Profigärtner an diese neue Generation der spritz­fähigen Stammschutzfarbe heran.

Text & Bild: Kaspar Heissel

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