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Gestalten mit Moos

Gestalten mit Moos
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Gestalten mit Moos

Die einen bekämpfen, die anderen verehren es: Moos. Als eine der ältesten Landpflanzen hat es im Laufe der Jahrmillionen eine faszinierende Vielfalt und Widerstandskraft entwickelt. Ein Plädoyer für eine unverstandene Art – und einige Ideen zum Gestalten mit Moos im Garten.

Googelt man das Wort «Moos», so erhält man vor allem Tipps zur Bekämpfung. Ein wenig peinlich ist es mir schon, denn auch ich war ihm zu Beginn meiner Gärtnerkarriere nicht wohlgesonnen. Stundenlang rückte ich ihm in meinem irischen, regenreichen Garten zu Leibe. Alles vergeblich – meinem damaligen Ideal vom englischen Rasen kam ich keinen Schritt näher. Kaum drehte ich dem vertikutierten Boden den Rücken zu, klatschten die Moose in die imaginären Hände und breiteten sich wieder aus.

Grüner Methusalem

Moose gibt es seit etwa 450 Millionen Jahren. Sie haben sich ursprünglich aus Grünalgen entwickelt und mit der Zeit unseren ganzen Planeten erobert. Heute gibt es an die 16’000 Arten, die abgesehen von den Meeren überall zuhause sind – selbst in der Wüste. Neben Chlorophyll, das der Photosynthese dient, enthalten Moose Stärke und Zellulose. Man unterscheidet zwischen Horn-, Leber- und Laubmoosen.

Wichtiger Speicher

Aufgrund ihres kleinen, langsamen Wuchses können Moose mit höheren Pflanzen nicht konkurrieren und weichen daher auf Flächen wie Felsen und Rinde aus. In Habitaten wie Bergwäldern und Mooren, wo Moose häufig vertreten sind, spielen sie aufgrund ihrer Fähigkeit, Nährstoffe und Feuchtigkeit zu speichern, eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie bieten kleinen Tierchen Obdach und mancher Blütenpflanze ein weiches Keimbett. Moose sind nicht nur ein Indikator für (Luft-)Feuchtigkeit, sie geben wie die Flechten auch Aufschluss über die Luftqualität. Neben Nährstoffen speichern sie Schwermetalle in den Zellwänden, die im Labor nachgewiesen werden können. Wissenschaftler fanden so heraus, dass sich seit Einführung des Autokatalysators weniger Blei in der Luft befindet.

Gestalten mit Moos

Während Moose von unseren Vorfahren als Isoliermaterial, Verbandszeug, zur Befüllung von Matratzen und zur Polsterung von Särgen verwendet wurden, erfahren sie in Japan – der Wiege des Moosgartens – seit Hunderten von Jahren eine andere Form der Wertschätzung. Ein berühmtes Beispiel von nahezu ätherischer Schönheit ist der 800 Jahre alte Moosgarten des Saiho-ji Tempels in Kyoto, in dem sich Wasser, Moosflächen und ausgewachsene Bäume zu einem Gesamtkunstwerk verweben. Natursteinmauern beschwören mit ihren weichen Moosmäntelchen auch die Landschaft Irlands und Englands herauf. Mauerpfeffer (Sedum) und kleine Farne (Asplenium, Polypodium) lassen sich in leuchtend grünen Kissen ansiedeln. Auch in Problemzonen unter Bäumen wie Buchen oder Koniferen, wo sich Stauden schwertun, laufen Moose zur Höchstform auf. In Verbindung mit Felsen entstehen attraktive, minimalistische Szenerien.

Attraktive Patina

Moos verleiht Skulpturen, Kübeln und Tischen aus Stein das gewisse Etwas und sorgt dafür, dass sie sich stimmig in ihre Umgebung einfügen. Meist findet es sich von selbst ein. Wer nachhelfen möchte, püriert einen Teil Buttermilch und einen Teil Wasser mit einem Stück Moos und trägt die Mischung mit dem Pinsel auf. Gut zu wissen: Viele Moosarten sind geschützt, weshalb man im Wald nur wenig sammeln und sich vergewissern sollte, dass es sich nicht um eine gefährdete Art handelt. Gibt es auf dem eigenen Grundstück viel Moos, kann es zum Dekorieren von Topfpflanzen-Arrangements verwendet werden.

 

Text: Annette Lepple Foto: Shutterstock

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