Zarte Versuchung in Crème und Rosé
Die Rispen-Hortensie zählte lange zu den weniger bekannten Gartenschönheiten. Ein holländischer Gärtner entdeckte ihren Formenreichtum und erkor sie zu seiner Favoritin.
Schneiden oder wachsen lassen?
Ein wichtiger Unterschied zwischen Bauern- und Rispen-Hortensien besteht im Schnitt. Die grosse Gärtnerfrage stellt sich jeweils im Frühjahr: Was ist zu tun mit den blattlosen Sträuchern? Viele greifen zur Schere und schneiden ihre Hortensien handbreit über dem Boden ab. Für Schneeball- und Rispen-Hortensien ist das durchaus angemessen. Denn sie blühen an Trieben, die sie noch im selben Jahr bilden. Werden diese Pflanzen nicht geschnitten, wachsen sie mit der Zeit immer höher – die Blüten entstehen im Laufe des Sommers an der Spitze, die Triebe darunter bleiben allerdings kahl. Anders die Bauern-Hortensie: Sie hat ihre Blüten schon im Vorjahr gebildet. Schneidet man die Pflanzen stark zurück, kappt man gleichzeitig ihre Blütenknospen, sodass sie später im Jahr blütenlos bleiben.
Neue verführerische Sorten
Alex Schoemaker war einer der ersten Gärtner, die sich voller Elan der Vermehrung und Vermarktung von ‘Limelight’ annahmen. Zugleich nahm er damals auch die schwächer wachsende ‘Little Lime’ in sein Sortiment auf, die ebenfalls aus Zwijnenburgs Händen stammt. Damit war der Weg zu einem neuen Sortenspektrum der Rispen-Hortensien geebnet: Nach dem Vorbild Pieter Zwijnenburgs entwickelte der junge Gärtner eigene Sorten – und das seit nun knapp 20 Jahren. Er wird dabei von dem etwa gleichaltrigen Züchter Leo Slingerland unterstützt. In ihrem Fahrwasser kommen immer neue Varietäten auf den Markt, insbesondere solche mit faszinierendem Farbspiel von Weiss und Rouge wie ‘Pinky Winky’ – eine seiner ersten Sorten, die allerdings nicht mehr im aktuellen Sortiment zu finden ist. Mehr als 40 Sorten wurden schon unter der Marke «Living Creations» auf den Markt gebracht – und damit blieben auch die Lizenzgebühren im eigenen Haus. Momentan umfasst die verfügbare Kollektion 20 Sorten. «Wir schauen auf die sich verändernde Welt um uns herum», sagt Alex. Deshalb verändert sich auch die Kollektion permanent. Die Sommer werden heisser und die Kälte setzt später ein. Das neue Züchtungsziel besteht also darin, noch widerstandsfähigere sowie spät blühende Pflanzen zu finden. So können die Menschen noch im Oktober einen farbenfrohen Garten geniessen. Ebenso sollen diejenigen an der Hortensienpracht teilhaben können, die einen kleinen Garten oder nur einen Balkon haben. Für sie werden kompakte Pflanzen gezüchtet. Alex’ Reputation ist inzwischen so gross, dass jedes Jahr Besuchergruppen aus aller Welt staunend den grossen Schaugarten in Boskoop besuchen – diesen eigentlich so stillen, entlegenen Ort, inmitten sich spiegelnder Wasserläufe.
‘Living Milk & Honey’
Die knapp 1 m hoch wachsende Sorte ist perfekt für Töpfe und Kübel geeignet. Ihre crèmefarbenen, lockeren Blüten ziehen Bienen und Schmetterlinge gleichermassen an.
‘Living Red Velvet’
Die Sorte zeichnet sich durch dunkelgrünes Laub, kräftige Stile und pinke Blütenstände aus, die sich mit der Zeit immer kräftiger färben. Die Pflanze wird insgesamt gut 1 m hoch.
‘Living Infinity’
Der Blütenstand dieser 1 m hohen Sorte entfaltet seine Einzelblüten nach und nach – über einen Zeitraum von mehr als 150 Tagen. In dieser Zeit verändern sie sich von Weiss zu dunklem Rot.
‘Living Little Apple’
Diese zierliche Sorte wächst kompakt und nur gerade kniehoch. So lässt sie sich gut in Töpfen halten. Ihre Blütenstände sind fast oval und leuchtend grün.
‘Living Candy Love’
Mit gut 130 cm gehört diese Sorte zu den höchsten der Kollektion. Während des Sommers überziehen sich die Blüten mit einem Hauch von Pink, das mit zunehmender Lichtintensität stärker wird.







