Wohlerzogen für viel Ertrag

Wohlerzogen für viel Ertrag

Obstgehölze sind wie kleine Kinder. Wenn sie nicht erzogen und gefördert werden, entwickeln sie sich zu ungehobelten Wildfängen. Damit uns ein solcher Baum-Wildfang nicht über den Kopf wächst, sondern viele gesunde Früchte beschert, müssen wir ihn erziehen, sprich beschneiden.

Im Normalfall geschieht das im Februar und März, wenn der Baum kurz davor ist, aus dem Winterschlaf zu erwachen. Nur kälter als –5 ºC sollte es beim Schnitt nicht sein. Bei Kern- und Steinobst gelten unterschiedliche Schnittprinzipien. Sie betreffen einmal den Schnittzeitpunkt, aber auch die Art des Schnitts. Für Kernobst wie Apfel-, Birnen- und Quittenbäume gibt es drei Schnittarten: den Erziehungsschnitt für junge Bäume, den Erhaltungsschnitt und den Verjüngungsschnitt für blühfaule ältere Exemplare.

Die Grundlage ist alles

Idealerweise hat der Baum bereits eine formierte Rundkrone. Ein durchgehender Mitteltrieb («M» in der Grafik unten) bei drei bis vier seitlichen Haupt- bzw. Leitästen («L» in der Grafik) zeichnet sie aus. Wenn der Mitteltrieb die Leitäste um etwa 20 cm überragt, die Leitäste eine Neigung von 45° haben und alle auf etwa derselben Höhe enden, ist die Baumform perfekt. Um diese zu erhalten, beseitigen wir alles, was quer nach unten bzw. nach innen wächst oder sich kreuzt. Ebenso werden alle Äste entfernt, die mit dem Mitteltrieb bzw. den Leitästen konkurrieren. Ebenfalls unters scharfe und saubere Schneidwerkzeug kommen die senkrecht nach oben wachsenden Wasserschosse oder Wasserreiser – das sind lange, dünne, unverzweigte Triebe, die zahlreich auftreten. Diese werden direkt am Stamm über dem Astring, der kleinen Rindenverwerfung oder «Wulst» an der Astbasis, geschnitten.

Alles, was entfernt werden soll, ist in der Grafik unten grau markiert. Müssen Leit­äste gekürzt werden, sollte man sie immer auf eine nach aussen gerichtete Knospe zurückschneiden, damit der Neuaustrieb nicht in die Baumkrone hineinwächst. Man schneidet knapp über der Knospe leicht schräg von ihr weg (Foto oben). Stimmt der 45°-Neigungswinkel nicht, kann man die Äste mit einer Schnur fixieren oder ein Gewicht dranhängen. Generell gilt: Je steiler der Trieb, desto kräftiger das Wachstum an seiner Spitze und umso schwächer die Knospenbildung. Je waagerechter, desto schwächer sein Spitzenwachstum, aber umso reicher seine Anzahl an Blütenknospen – und genau das wollen wir ja!

Text: Judith Supper   Bild: Shutterstock

Der Winterschnitt bei den Kernobstgehölzen

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