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Winterharte Fuchsien

Fuchsien

Winterharte Fuchsien

Sie gelten als altmodisch und hitzeempfindlich – und doch sind Fuchsien ein Schatz unserer Gartenkultur.  Ein Besuch bei einem Sammler.

Direkt an der Limmat, nur getrennt durch eine Bahnlinie und einen Fussweg, liegt das 3000 m² grosse Grundstück von Heinz Sommerhalder. Auf rund 700 m² wachsen dort Fuchsien ausgepflanzt und ganzjährig draussen. Sein Garten zeigt, wie robust, vielfältig und pflegeleicht vor allem die winterharten Fuchsien sein können. Rund 700 Sorten pflanzte Heinz über die Jahre aus, etwa 100 haben nicht überdauert. Für ihn liegt der grosse Vorteil der winterharten Sorten auf der Hand: «Du musst sie im Winter nicht hereinholen und auch nicht umtopfen.» Äusserlich kann man sie kaum von empfindlicheren Sorten unterscheiden, sprich: Winterharte Sorten sind genau so schön, grazil und faszinierend. Auch unter den heutigen, zunehmend heissen Bedingungen empfiehlt der Kenner, winterharte Fuchsien auszupflanzen – entscheidend sei das richtige Verständnis der Pflanze: «Hitze ist ein echtes Problem, aber zu viel Wasser ist fast noch schlimmer.» Fuchsien beginnen bei Sonne und Wärme zu welken, viele giessen dann noch mehr und fördern Fäulnis. «Wenn man es merkt, ist es oft schon zu spät.»

 

Jede Sorte hat ihren Charakter

Fuchsien sind alles andere als uniform. Besonders ihre Vielseitigkeit fasziniert Heinz bis heute. Es gibt aufrechte, buschige, hängende Formen – praktisch in allen Farben. Jede Sorte hat ihre eigenen Bedürfnisse, gerade bei der Bewässerung. Der Sammler kultiviert nicht winterharte Sorten in Töpfen und Ampeln. Bei der Topfkultur arbeitet er mit einer Tropfbewässerung, die über Sensoren die Wassergabe individuell steuert. «Weisse Sorten sollte man lieber etwas trockener halten», weiss er aus Erfahrung. Hier die Balance zu finden, ist nicht einfach – gerade in heissen Sommern jedoch entscheidend. Denn weisse Züchtungen gelten allgemein als heikel. Während viele Fuchsien etwas Sonne gut vertragen, mögen weisse Sorten keine direkte Besonnung.

 

Wildform statt Ballerina

Sind Fuchsien nun komplizierte Gartengesellen oder nicht? Jein, meint Heinz. Ihm gefallen die grossblütigen «Ballerinen» besonders gut. In den letzten Jahren haben es ihm jedoch zunehmend auch die Wildformen mit ihren kleineren Blüten angetan. «Sie sind deutlich robuster und kommen besser mit Hitze zurecht.» Und eben: Ausgepflanzte winterharte Sorten sind spürbar unkomplizierter als solche im Topf. Trotz seiner Erfahrung spürt auch Heinz die Auswirkungen des Klimawandels. «Früher war es einfacher mit den Fuchsien.» Dass Fuchsien derzeit nicht besonders hoch im Kurs stehen, bedauert Heinz. Viele Gärtnereien haben aufgegeben, Schaugärten mussten Überbauungen weichen. Dabei geht mit den Fuchsien ein echtes Kulturgut verloren, das tief mit den Schweizer Bauerngärten verbunden ist, wo Fuchsien nicht fehlen durften. Weltweit sind rund 15 000 Sorten gelistet – viele davon leider kaum mehr erhältlich.

 

Pflege übers Jahr

Im Spätherbst, nach dem ersten Frost, schneidet Heinz Sommerhalder alle ausgepflanzten Fuchsien auf etwa 20 cm zurück. Danach bedeckt er die Stöcke mit Laub und fixiert dieses mit Tannästen. «Das ist eine Vorsichtsmassnahme», erklärt er. «Streng genommen sind winterharte Fuchsien nur bedingt winterhart – bei –20 ºC wird es kritisch.» Wobei, wann wurde es in den letzten Jahren im Schweizer Mittelland schon so kalt? Im März werden die Tannäste entfernt, das Laub bleibt noch liegen. Ab Mitte Mai nach den Eisheiligen wird alles abgeräumt und das dürre Holz der Fuchsien bis zum Boden abgeschnitten. Die Pflanzen werden mit Langzeitdünger für 6 Monate versorgt. Gegossen wird nur bei Bedarf, und zwar mit einer Sprinkleranlage. Verblühtes schneidet er bei Fuchsien im Topf ab, bei Freilandfuchsien hingegen nicht.

 

Die schönsten Freilandfuchsien

Fuchsia magellanica var. alba

Eine wüchsige Art, die bis zu 2 m hoch und breit wird. Die Blüten sind weiss, mit einem Hauch Rosa.

Fuchsie ‘Ernst Naschke’

Eine empfehlenswerte, anspruchslose, reichblühende Sorte. Das Spezielle: Sie kann recht flach wachsen und Polster bilden.

Fuchsie ‘Lancelot’

Diese Sorte wird nicht allzu gross und verfügt über einen lockeren Wuchs mit recht grossen, auffallenden Blüten.

F. magellanica var. gracilis

Eine bekannte und weitverbreitete Fuchsie, unkompliziert und ausdauernd.

Fuchsie ‘Mats’

Diese halbgefüllte Fuchsie blüht in einem geheimnisvollen Dunkelviolett. Sie ist eher selten.

Fuchsie ‘Inneke Gijs’

Mit 2 m wird diese Züchtung aus Belgien mit den sehr dünnen, länglichen Blütenknospen relativ hoch. Ein Elternteil ist F. magellanica ‘Americana elegans’.

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