Vervielfachtes Pflanzenglück
Mit wenigen Handgriffen lassen sich zahlreiche Stauden und Gehölze ganz einfach vermehren. Wir erklären Schritt für Schritt, wie aus Wurzelschnittlingen, Absenkern und Ablegern kräftige Jungpflanzen heranwachsen.

Wurzelschnittlinge
Stecklinge sind vielen ein Begriff. Doch wussten Sie, dass auch aus einem kleinen Wurzelstück eine neue Pflanze entstehen kann? Der Herbst/Winter ist die ideale Zeit dafür.
1.: Die Wurzeln der Mutterpflanze freilegen. Einige der dickeren Wurzeln mit der geschärften Baumschere oder einem Messer sauber abtrennen.
2.: Die Wurzeln in 4 bis 8 cm lange Stücke schneiden. Dabei das untere Ende schräg, das obere Ende gerade anschneiden, damit man die Wurzelstücke später nicht versehentlich kopfüber einpflanzt.
3.: Jeweils einen Wurzelschnittling mit dem geraden Ende nach oben in kleine Töpfe mit Anzuchterde stecken. So einfügen, dass das obere Ende rund 1 cm von Erde überdeckt ist.
4.: Die Wurzeln der Mutterpflanze im Beet wieder zudecken und angiessen.
5.: Die Schnittlinge in ihren Töpfen mit einer feinen Brause kräftig angiessen. Um die Wurzelbildung zu fördern und die Abwehrkräfte zu stärken, kann mit einem Mikroorganismenpräparat (EM) angegossen werden.
6.: An einen kühlen, dunklen und frostfreien Ort stellen und die Erde stets leicht feucht halten.
7.: Im Frühling, wenn die Schnittlinge austreiben, platziert man sie an einem hellen Standort und pflanzt sie später an die gewünschte Stelle im Garten aus.
Welche Pflanzen eignen sich?
Stauden: Orientalischer Mohn, Herbst-Anemone, Phlox, Kaukasusvergissmeinnicht, Mannstreu, Ochsenzunge, Beinwell, Kugeldistel
Gehölze: Himbeere, Perückenstrauch

Absenker
Kaum etwas ist so einfach wie die Vermehrung durch Absenker. Am besten gelingt dies vom Frühling bis in den Frühsommer.
1.: Einen jungen, biegsamen, verholzenden Trieb (im Bild Thymian) auswählen, der bis zum Boden reicht.
2.: Im Bereich, der später in der Erde liegt, die Blätter entfernen.
3.: Den Trieb in eine zuvor ausgeformte Mulde im Erdreich legen und mit einem kleinen Stein oder einem feinen Metallhaken fixieren. Die Triebspitze schaut aus dem Bode
4.: Die Mulde mit Erde füllen, dabei den Trieb überdecken und gut andrücken.
5.: Durchdringend angiessen und feucht halten.
6.: Nach einigen Wochen, teils Monaten haben sich am eingegrabenen Triebteil Wurzeln gebildet. Er kann von der Mutterpflanze abgeschnitten und als eigenständige Pflanze am gewünschten Ort gesetzt werden.
Welche Pflanzen eignen sich?
Stauden: Echter Salbei, Lavendel, gewisse Nelken-Arten, Thymian
Gehölze: Hasel, verschiedene Schneeball-Arten, Kornelkirsche, Johannisbeeren, Brombeeren, Geissblatt, Blauregen (Glyzine)

Ableger
Ein Ableger ist gewissermassen ein naturgemachter Absenker. Einige Pflanzenarten bilden nämlich ganz ohne gärtnerisches Zutun in ihrer Nähe bewurzelte Jungpflanzen. Dazu gehören Ausläufer ebenso wie Wurzelschösslinge.
1.: Die Ableger oder Wurzelschösslinge im Frühling / Herbst vorsichtig ausgraben und von der Mutterpflanze trennen.
2.: Die Jungpflanzen in einen Topf oder direkt im Garten an gewünschter Stelle neu einpflanzen.
3.: Gut wässern, bis die Jungpflanze angewachsen ist.
Welche Pflanzen eignen sich?
Stauden: Erdbeere, Hauswurz, Kriechender Günsel, Gänsekresse (Bild unten)
Gehölze: Flieder, Aronie, Hasel


