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Unterwegs auf leisen Füssen

Unterwegs auf leisen Füssen

Durch mehr Wärme scheinen Tausendfüssler häufiger in grossen Gruppen aufzutreten und Hobbygärtner zu verschrecken. Wir klären auf.

Wenn im Juli die Hitze über den Beeten flimmert, wirkt der Garten, als würde er eine kleine Siesta einlegen. In der Nacht allerdings kehrt Leben ein und zwischen Kartoffelbeet, Kompost und Steinhaufen wimmelt es – leise, verborgen und unglaublich fleissig. Wer genau hinschaut, entdeckt ihn vielleicht: ein Tausendfüssler auf Patrouille. So viele Beine, dass einem fast schwindlig wird – je nach Art zwischen 60 und 400. Die glänzenden, gleichmässig gegliederten Körper bewegen sich rhythmisch wie kleine Wellen durch Erde und Laub. Wenn man unsicher ist, ob es vielleicht doch ein Hundertfüssler war, hilft ein Blick auf den Laufstil: Hundertfüssler haben pro Segment zwar nur ein Beinpaar (Tausendfüssler zwei), sind aber als räuberische Jäger deutlich zackiger unterwegs und verfolgen ihre Beute blitzschnell. Tausendfüssler hingegen nehmen es gemütlich, sie ernähren sich schliesslich von abgestorbenen Pflanzenresten oder toten Insekten und Würmern. Beide Vielfüsser sind ein Kompliment für den Garten: Die einen halten Lästlinge in Schach, die anderen sorgen für Humus und einen gesunden Boden.

 

Nützliche Krümelpolizei

Tausendfüssler sind die natürlichen Bodenarbeiter des Gartens. Sie zerkleinern abgestorbenes Pflanzenmaterial, mischen es mit Erde und legen so den Grundstein für fruchtbaren Humus. Wo sie tätig sind, bleibt der Boden locker, feucht und lebendig. Besonders wohl fühlen sie sich an geschützten Orten: unter dem Kompostdeckel, zwischen Steinplatten, im Laub oder in Blumenkästen, die etwas schattig stehen. Sie schätzen im Sommer Orte, wo es nicht zu heiss und trocken ist. Wer im Garten also kleine Ecken mit Laub, Holz oder Moos stehen lässt, bietet ihnen wertvollen Lebensraum – und bekommt dafür gesunden Boden zurück.

 

Tausendfüssler
Wenn sie über die Stränge schlagen

In sehr feuchten Perioden oder in Gewächshäusern vermehren sich Tausendfüssler teilweise (zu) rasch. Dann kommt es vor, dass sie auch an Keimlingen oder Wurzeln knabbern. Zum Problem wird das eher selten. Meist reicht es, die Erde etwas trockener zu halten und die Tiere vorsichtig umzusiedeln. Dies gilt auch für den eingeschleppten Gewächshaustausendfüssler (Oxidus gracilis): Grosse Pflanzenschäden richtet er selten an, ist aber lästig, da er oft in Massen auftritt und in Gebäude krabbelt. Hier hilft es, seine Brutstätte zu finden – meist frische Erde oder eine neue Pflanze – und zu entfernen sowie Zugänge zum Haus zu verschliessen oder glatte Barrieren anzubringen.

 

Cleveres Schutzprogramm

Tausendfüssler sind Überlebenskünstler: In heissen Zeiten ziehen sie sich tief in den Boden zurück, wo es kühl und feucht bleibt. Bei Gefahr rollen sie sich spiralig zusammen, einige Arten können eine streng oder nach Mandeln riechende Flüssigkeit abgeben – für uns harmlos, für Fressfeinde abschreckend. Damit ist klar: Tausendfüssler sind keine ulkigen Spassbrüder, sondern kluge Nützlinge. Wer aber das Lied über Balthasar, der mit seinen vielen Schuhen und dem gemächlichen Tempo alle zum Lachen bringt, noch nicht kennt, dem empfehlen wir reinzuhören.

TEXT Moira Loepfe   FOTOS Brigitt Buser, Shutterstock

 

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