Unsere kleine Farm
Astrid Krauthausens Selbstversorgung begann mit ein paar Tomaten. Daraus entstand ein riesiger Gemüsegarten über die Grundstücksgrenzen hinweg – und schliesslich die Idee, noch mehr Menschen diesen einfachen Einstieg ins Urban Farming zu ermöglichen.
Nachdem Astrid und ihr Mann den grossen Garten der Nachbarn übernommen hatten – diese konnten ihn aus Altersgründen nicht mehr selbst bewirtschaften –, liessen sich auch die anderen Parteien im Quartier von ihrer Gartenfreude anstecken. «Astrid, ich könnte das nicht», hörte sie immer wieder von ihren Nachbarinnen. «Wie schaffst du das bloss?»
Eine Box mit Setzlingen
Bis sich die «Beetli»-Idee in ihrem Kopf einen Weg bahnte, erst ganz langsam, dann unaufhaltbar. «Ich möchte die Leute damit anstecken, sich ihr eigenes Gemüse anzubauen», erzählt Astrid. Und weil sie es ihnen so einfach wie möglich machen wollte, entwickelte sie die Beetli-Box: damit wird jeden Monat Saatgut, Setzlinge, Schafwollpellets und Mulchmaterial direkt nach Hause geliefert. Anleitung inklusive. «Mit Beetli kann jeder und jede für mehr Vielfalt auf dem Balkon und im Garten sorgen», meint Astrid und träumt von einer kleinen Gartenrevolution.
Eine Jägerin und Sammlerin
Astrid ist eine Frau, die gerne mal etwas Neues ausprobiert. Besonders das Thema «Verwertung» hat es ihr angetan. Sie gewinnt mit viel Liebe und Achtung für ihre Nutztiere Honig und Eier, macht aus den Kräutern in ihrem Garten Naturkosmetik, kocht ein, bereitet Konfi, Sirup oder Apfelmus zu. «Die Vielfalt ist grenzenlos», meint sie begeistert, «doch der Garten darf nicht zu viel Raum einnehmen: Am Wochenende fahren wir einen Tag in die Berge oder sehen Freunde, der andere ist für den Garten reserviert.» Sie hält es auch mal aus, wenn ihr buntes Reich nicht ganz so repräsentabel aussieht und ist den Tieren und der Natur zuliebe für Mischkulturen mit Blumen im Gemüsebeet. Nahrung selbst anzubauen, erdet sehr, ist sie überzeugt, und hilft, ein Bewusstsein für die Naturkreisläufe zu gewinnen.
Astrids Tipps:
- «Aus Erfahrung weiss ich: Der Boden ist alles.» Und so füllt sie ihr Hochbeet mit Terra Preta auf, der «schwarzen Erde», die ursprünglich aus dem Amazonasgebiet stammt und durch Zugabe von Pflanzenkohle, organischem Material wie Mist und menschlichen Rüstabfällen entstand. Bewässert wird mit sogenannten Ollas, Wasserspeichern aus mikroporösem Ton, die in die Erde eingegraben werden. Ausserdem hält Astrid ihren Boden mit Gründüngungen lebendig. Das Konzept funktioniert: Die Pflanzen wachsen hoch und strotzen nur so vor Gesundheit.
- «Ein Saatband in den Boden zu legen und anzugiessen, dauert vielleicht 5 Minuten – aber was daraus wächst, hat mein Verhältnis zu Lebensmitteln grundlegend verändert. Da kann mal vieles ausprobieren, einiges wird funktionieren, anderes nicht.»
Text: Stefanie Stäuble Foto: Astrid Krauthausen
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