Rhabarber: Gib mir Saures!

Rhabarber: Gib mir Saures!
Beitrag teilen

Rhabarber: Gib mir Saures!

Die Rhabarberernte dauert bis zum Johannistag – doch das Gemüse braucht auch Pflege: Mit Nährstoffgaben und einer schützenden Mulchschicht kann die Pflanze Kraft fürs nächste Jahr sammeln.

Der 24. Juni gilt als Stichtag, wenn es darum geht, bis wann Rhabarber (Rheum rhabarbarum) geerntet werden darf. Nebst der weitverbreiteten Annahme, dass die Stängel nach diesem Datum aufgrund der zunehmenden Oxalsäure giftig sein sollen, liegt der Hauptgrund in einem anderen Aspekt: Die Pflanze braucht jetzt Ruhe. Ab Ende Juni übernehmen die verbleibenden Blätter die wichtige Photosynthese und ermöglichen der Pflanze, die Nährstoffe in den Wurzelrhizomen einzulagern. Im Spätherbst wird dann das oberirdische Wachstum eingestellt. Unter diesen Bedingungen kann das winterfeste Knöterichgewächs den Winter wohlbehalten überstehen und im folgenden Frühjahr wieder neue knackige Stiele hervortreiben.

Die Feuchtigkeit halten
Damit sich die Rhabarberwurzeln den Sommer über regenerieren können, ist Ende Juni Futternachschub angesagt: Hierzu gut verrotteten Kompost oder Mist rund um die Pflanze ausbringen und den Wurzelbereich mit einer schützenden Mulchschicht bedecken. Für die Abdeckung eignen sich zum Beispiel die zuletzt geernteten Blattabfälle des Rhabarbers, aber auch Rasenschnitt, Strohhäcksel oder eine Laubdecke. Eine Handvoll Hornspäne oder etwas Pflanzenjauche helfen ebenfalls, die Nährstoffnachfrage zu stillen.

Essbare Blütenknospen
Noch während der Erntezeit bildet die Pflanze stattliche Blütenstände. Diese werden jeweils am Stielansatz sorgfältig ausgedreht, um so weitere Blattsprosse anzuregen. Im noch geschlossenen Zustand ist die Knospe sogar essbar und gedünstet eine echte Delikatesse. An einem sonnigen bis halbschattigen Platz in durchlässigem Boden können Rhabarberpflanzen sehr alt werden. Werden die Stängel mit den Jahren immer dünner, lohnt es sich, die Pflanze durch Teilung zu verjüngen. Dazu den Wurzelballen mit einer Grabgabel vorsichtig herausheben und mit den Händen die Erdklumpen etwas lösen, sodass die Rhizome sichtbar werden. Der beste Zeitpunkt für die Teilung ist im September, dann liegt die Mulchschicht aus Laub bereits vor Ort bereit.

Knackige Vitaminbombe
Schon im ersten Jahr nach der Teilung entwickelt die Jungpflanze knackige Sprosse. ­Damit sich die Pflanze stärken und noch mehr Wurzeln bilden kann, wartet man mit der Ernte am besten bis zum zweiten Frühling. Allgemein gilt: Je früher im Jahr man Rhabarber erntet, desto gesünder ist er. Der Anteil von Oxalsäure ist besonders in den Blättern sehr hoch – in den Stängeln ist Oxalsäure vor allem in der Haut nachweisbar. Deshalb sollte man Rhabarber niemals roh essen.

Rotstieliger Erdbeer-Rhabarber
Die beliebten rotstieligen Sorten, auch bekannt als Erdbeer- oder Himbeer-Rhabarber, enthalten etwas weniger Oxalsäure, deshalb haben sie einen angenehm milden Geschmack. Innen und aussen rotgefärbt, überzeugt die Sorte ‘Elmsfeuer’ als ertragreichster rotfleischiger Rhabarber. ‘Frambozen Rood’ bildet etwas dünnere, aber ebenfalls beerenfruchtige, schmackhafte Stängel aus. Auch die altbekannte Sorte ‘Holsteiner Blut’ mit roten Stängeln und grünem Innenleben gilt als ertragreich und mild im Geschmack. Bisher weniger bekannt sind sogenannte immertragende Sorten wie ‘Livingstone’ oder ‘Glaskins Perpetual’. Diese Auslesen sind unter dem Namen «Herbstrhabarber» im Handel erhältlich und können bis zum Oktober beerntet werden. Mit einer kompakten Wuchshöhe von nur 20 cm wächst ‘Lilibarber’ gut im Topf und kann auf dem Balkon angebaut werden. Mit den rötlichen, überhängenden Stielen ist er ein toller Blickfang im urbanen Garten.

Text Ruth Schläppi   Bild: zvg

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .