Piet Oudolf: Landschaften aus Pflanzen

Piet Oudolf: Landschaften aus Pflanzen
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Piet Oudolf: Landschaften aus Pflanzen

Mit seinem naturalistischen Stil gestaltet der niederländische  Gartendesigner Piet Oudolf Landschaften aus Pflanzen. Sein inzwischen berühmter «Dutch Style» feiert die Vergänglichkeit.

In den Rispen der Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) bricht sich das Licht, als wären die Gräserhorste Wolken an einem goldenen Herbstabend. Darüber schweben beinahe gravitationslos die Köpfe der blau schimmernden Kugeldisteln (Echinops). Wer den Kopf senkt, blickt auf die fast bizarr anmutenden, in Etagen angeordneten Samenstände des Brandkrauts (Phlomis russeliana). Das Gesamtbild: Kein Durcheinander, sondern eine Art von Schrift, die dem Garten eine neue Bedeutung gibt. Die naturalistische Pflanzenverwendung ist der Gestaltungstrend, der unsere Zeit bestimmt. Sie bildet eine Form von Wildnis nach, die auf die Ökologie abgestimmt und von natürlich vorkommenden Pflanzengemeinschaften inspiriert ist. Imitiert sie also die Natur? Nur zum Teil, denn es sind künstlich zusammengestellte Gemeinschaften, die, um zu funktionieren, auf einem reichen Erfahrungsschatz an Pflanzenwissen fussen. Auf dieser Basis werden sie neu interpretiert und zu emotionalen Landschaftsbildern geformt.

Im Frühling schön, im Herbst spektakulär

Der wichtigste Vorreiter dieser Bewegung, dem «New Perennial Movement», ist der Niederländer Piet Oudolf. Für manche ist der Pflanzendesigner das, was Mick Jagger für die Rockmusik ist: ein Superstar, der mit tradierten Mustern bricht, neue Ansätze verfolgt und einen Stil umsetzt, der eine ganze Generation von Gartengestaltern geprägt hat. Zahlreiche private wie öffentliche Anlagen auf der ganzen Welt hat Piet Oudolf gestaltet, hat brave Bepflanzungen aus Petunien, Begonien und Stiefmütterchen gegen mäandernde Landschaften aus Sterndolden (Astrantia), Wiesenknopf (Sanguisorba) und Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis) ausgetauscht. Seine Pflanzungen sind reich strukturiert und setzen sich aus einer grosszügigen Palette von Stauden und Gräsern zusammen.

Ein Garten der vier Jahreszeiten

Zentral für Oudolfs Designphilosophie ist, dass die Mehrzahl der Pflanzen über eine lange Zeit eine gute strukturelle Wirkung haben müssen. In der Regel sind es spätblühende Stauden und Gräser, die diese Eigenschaft besitzen. Einige Pflanzen schaffen es sogar, bis weit in den Winter hinein ansehnlich zu bleiben. Herbst und Winter sind demnach Monate, denen eine besondere Aufmerksamkeit gebührt. Der niederländische Meister sucht die Pflanzen eher nach Form und Beschaffenheit als nach ihrer Blütenfarbe aus. Zwar sind das Rosa von Sommer-Salbei ‘Pink Delight’ (Salvia pratensis) oder das Lila der Aromatischen Aster ‘October Skies’ (Symphyotrichum oblongifolium) gewissermassen zu seinem Markenzeichen geworden. Aber an erster Stelle stehen Form, Struktur und Dauerhaftigkeit. Des Laubes beraubt, werden Stiele, Stängel und Samenkapseln zu architektonischen Elementen. Dass sie verwelken, vertrocknen und zur Spielstätte von Frost und Schnee werden, gehört zum Gesamtkonzept von Piet Oudolfs Landschaften aus Pflanzen dazu.

 

Text & Bild: Judith Supper

 

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