Jetzt wird vorgesorgt
Der Balkongarten soll mehr Ertrag abwerfen? Wir haben tolle Obst- und Beerensorten für den Topf für Sie. Jetzt gepflanzt, darf schon ab der nächsten Saison genascht werden.
Beerensträucher und Obstbäume bleiben nicht nur grossen Gärten vorbehalten. Kompakt wachsende Sorten gedeihen auch in einem grossen Topf oder Kübel und liefern auf dem Balkon süsse Früchte auf Pflückhöhe. Nachteile gibt es kaum, etwas Vorsicht ist allerdings geboten: Da die Wurzeln im Topf schneller durchfrieren als im Gartenboden, sollten die Kübel bei starkem Frost mit Jute oder Noppenfolie geschützt und auch im Winter regelmässig auf Trockenheit kontrolliert und bei Bedarf gegossen werden.
Beerenglück – die Klassiker
Während in den letzten Jahren der Geschmack etwas zugunsten der Haltbarkeit litt, kehrt das Aroma wieder zurück – moderne Züchtungen werden gezielt mit alten, geschmacksintensiven Sorten gekreuzt. Etwa die immertragende Erdbeersorte ‘Mara des Bois’ (Fragaria × ananassa): Auf französischen Wochenmärkten ist sie der Inbegriff feinster Dessert-Erdbeeren. Zudem ist sie robust gegen Blatterkrankungen und kann gut in Töpfen und Balkonkästen gezogen werden. Ihr zur Seite stellen wir die Brombeere ‘Nessy’ (Rubus fruticosus): Geschmacklich die beste aller bekannten Brombeersorten und durch ihre Robustheit und den mittelstarken Wuchs erst noch für den Topf geeignet. Die festen Früchte matschen nicht und haben ein ausgewogenes, süsses Aroma. Die Sorte ist frosthart und für Höhenlagen geeignet. Auch eine Himbeere darf im Beerengarten auf keinen Fall fehlen. Wir empfehlen die Sorte ‘Plentiful’, eine stachellose Herbsthimbeere (Rubus idaeus) aus der traditionsreichen englischen Forschungsanstalt East Malling. Durch die starke Bildung von fruchttragenden Seitentrieben bringt sie ab Mitte Juli bis weit in den Oktober hinein einen hohen Ertrag. Die Ruten werden rund 150 cm hoch. Wie bei allen Herbsthimbeeren erfolgt im Winter ein bodenebener Schnitt der Triebe.
Aprikosen vom Balkon
Seit dem letzten heissen Sommer wird klar: Aprikosenbäumchen kann man nicht mehr nur im Wallis erfolgreich kultivieren. Doch im Garten machen sie oft Zicken, vor allem wenn der Standort nicht optimal ist. Die Folge ist die berüchtigte Monilia-Pilzkrankheit, an der die Bäumchen fast zugrunde gehen. Im Topf kann man die Aprikose hingegen vor zu viel Regen schützen und auch besser mit Nährstoffen in Form von regelmässig verabreichtem Obst- und Beerendünger versorgen. Der selbstfruchtende Mini-Obstbaum ‘Garden Aprigold’ (Prunus armeniaca) ist extra für Balkon und Terrasse gezüchtet worden – durch aufwendige Zuchtarbeit gelang es, aparte Baumformen zu selektieren. Im Frühjahr hat man so sein eigenes «Blüten-Hanami» wie in Japan, denn dieser Aprikosenbaum zeigt attraktive Blüten in Rosa und Weiss. Im Sommer trägt er trotz seines sehr kompakten Wuchses mittelgrosse Früchte mit dem typischen, süss-sauren Aprikosenaroma, das wir so lieben. Genuss pur vom eigenen sonnigen Südbalkon.

Exote mit Mehrwert
Der Westliche Erdbeerbaum (Arbutus unedo) – im Italienischen auch als «Corbezzolo» bekannt – ist ein faszinierendes, immergrünes mediterranes Gehölz aus der Familie der Heidekrautgewächse. Da die Früchte ein ganzes Jahr zum Reifen benötigen, sieht man neben den glockenförmigen Blüten des aktuellen Jahres gleichzeitig die orangen bis roten Früchte des Vorjahres. Diese erinnern optisch und geschmacklich an Erdbeeren und eignen sich zum Frischverzehr, für Konfitüre oder Likör. In einem grossen Topf an einem geschützten, sonnigen Standort fühlt sich die Sorte ‘Corbezzolo’ sichtlich wohl und wird 2 bis 3 m hoch. Allerdings ist der Erdbeerbaum nur bis etwa –10/–15 °C winterhart und muss bei Frost gut eingepackt oder im Innenbereich kühl und hell überwintert werden.
Süss oder sauer
Bleiben noch die sauren Beeren übrig. Johannis- und Stachelbeeren sind aufgrund der markanten Säure nicht klassische Naschfrüchte, doch wir haben zwei eher süsse Sorten für Sie. In der Regel werden diese «Ribes»-Arten als Büsche mit 9 bis 12 Trieben gezogen. Sie benötigen nährstoffreiche, lockere Erde und sind auf eine regelmässige Zufuhr von reifem Kompost oder Mist angewiesen. Mustergültig im Topf zeigt sich die Johannisbeere ‘Rolan’ (Ribes rubrum), denn sie wächst stark aufrecht und trägt grosse Früchte an langen Trauben – bei Vollreife mit gutem Geschmack und wenig Säure. Ein weiteres Plus: Sie ist wenig verrieselungsanfällig. Unter «Verrieseln» versteht man das Abfallen einzelner Blüten, besonders im unteren Drittel des Stiels. Ursache kann eine unzureichende Bestäubung, ungünstige Witterung um die Blütezeit herum oder ein fehlender oder zu schwacher Schnitt sein. Insbesondere während der Blüte ist die Kombination des intensiven Winterschnitts mit einer ausreichenden Stickstoffversorgung von grosser Bedeutung, um das Verrieseln zu verhindern. Farblich passend kommt noch eine rote Stachelbeere (Ribes uva-crispa) dazu, die Sorte ‘Hinnonmäki’. Sie stammt aus dem gleichnamigen Ort in Finnland, wo die Züchtung besonders winterharter Sorten stattfand. Sie ist relativ robust gegen Mehltau – die grosse Schwäche der Stachelbeeren, die aber durch neuere Züchtungen deutlich verbessert werden konnte, wenn man sie regelmässig auslichtet.
Alle genannten Obst- und Beerensorten sind bei Häberli Beeren erhältlich.
TEXT Stefanie Stäuble FOTOS zvg, Flora Press, Shutterstock
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