Immergrünes Herzblatt

Immergrünes Herzblatt

Mit seinem unverwechselbar spitzlappigen Blatt kennt ihn nahezu jedes Kind. Ob als Fassadenbegrüner, Bodendecker, aufrechter Strauch oder überhängende Topfpflanze – der immergrüne Efeu gibt stets eine gute Figur ab.

Weltweit sind elf Efeu-Arten (Hedera) von den Kanarischen Inseln über Europa bis nach Ostasien verbreitet. Für unser Klima eignet sich besonders die heimische Form (H. helix). Sie ist nicht nur die frosthärteste Art, sondern gedeiht im Halbschatten ebenso gut wie im vollschattigen Bereich. Mit seinem grösseren und dunkleren Blatt eignet sich der starkwüchsige Irische Efeu (H. hibernica) als zuverlässiger Bodendecker. In milden Lagen kann der Kolchische Efeu (H. colchica) mit seinen dekorativen, bis zu 15 cm grossen Blättern und der auffälligen Blattzeichnung für Aufsehen sorgen.

Bescheidene Ansprüche

Der Efeu stellt allgemein nur sehr bescheidene Ansprüche an den Boden und ist dabei ungemein vielseitig. Von Natur aus im Wald beheimatet, gedeiht er auch in sonnigen Bereichen, wenngleich er hier einen schwächeren Zuwachs erzielt. Besonders an schwierigen Standorten, etwa als Bodendecker unter einer Birke oder einem Spitzahorn, zeigt er seine eigentlichen Qualitäten: Wie kaum ein anderes Gehölz kann er einen grossen Wurzeldruck aushalten. Mit seinen langen Ranken breitet er sich auf dem Boden aus und kann in die dunkelsten Ecken vordringen, auch in Bereiche des Regenschattens, wo normalerweise keine Pflanzen mehr ohne zu­sätzliche Bewässerung gedeihen können.

Ökologischer Verwandlungskünstler

Nach 8 bis 10 Jahren ändert sich das Erscheinungsbild des Strauchs vollständig. Statt der rankenden Triebe mit dem typischen Blatt bildet er jetzt aufrechte, buschig wachsende Triebe mit ungelappten und rautenförmigen Blättern aus. Jetzt zeigt er sich auch von seiner fruchtbaren Seite: Das Araliengewächs bringt von September bis Anfang Oktober cremegelbe Blütendolden hervor. Die nektarreichen Blumen stellen für die Bienen, Wespen, Käfer und Fliegen so kurz vor Beginn des Winters eine wertvolle Nahrungsquelle dar. Bis zum Frühjahr reifen blauschwarze, kugelrunde Früchte heran. Für die Menschen giftig, sind sie für viele Vögel eine Lieblingsspeise. Nachtaktive Tiere wie Siebenschläfer, Fledermaus oder Igel halten sich gern in seinem Blätterdickicht auf. So kann eine alte Efeuwand zu einem kleinen Biotop werden. Als immergrüner und anspruchsloser Strauch zählt er zu unseren wertvollsten Kletterpflanzen.

Manche treiben’s bunt

Bis heute sind mehrere hundert Efeusorten in einer grossen Farben- und Formenvielfalt gezüchtet worden. Besonders ins Auge stechen die mehrfarbigen und die hell gezeichneten Blätter. Sie vermögen dunkle Gartenecken und Fassaden aufzuhellen oder sind in Schalen und Gefässen ein attraktiver Blickfang. Im Gegensatz zu den grünen Formen sind sie in der Regel schwachwüchsiger und von geringerer Winterhärte, halten jedoch an geschützten Standorten die kalte Jahreszeit aus. Generell gilt: Je höher der Grünanteil im Blatt, desto härter ist es. Ungeeignete Standortverhältnisse wie Böden mit Staunässe oder mit saurem Klima wirken sich ebenfalls negativ auf die Winterhärte aus. Direkte Sonnenbestrahlung im Winter kann hingegen zu Trockenschäden führen, weil Efeu wie alle Immergrünen bei Sonnenschein Wasser verdunstet, aber wegen des gefrorenen Bodens keines mehr aufzunehmen vermag. Bei älteren Exemplaren mit tieferem Wurzelwerk ist diese Gefahr geringer.

Text & Bild: Kaspar Heissel

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