Im steten Wandel

Im steten Wandel

Dass ein Garten auch im Winter ein attraktiver Blickfang ist, zeigt dieser vielseitige Nutz- und Blumengarten in Seltisberg (BL). Stete Veränderung – das Markenzeichen unserer Natur – ist hier erwünscht.

Bei der Umgestaltung des Gartens erhielt die Gartenliebhaberin professionelle Unterstützung von ihrem Nachbarn Mario Knecht, der als naturnaher Gartengestalter tätig ist. Zunächst wurde die Loggia verändert – das Dach höhergesetzt und mit einheimischen Wildblumen begrünt – und ein Sitzplatz aus formwildem Maggia-Granit gebaut. Danach wurden die natürlich geschwungenen Kieswege angelegt sowie ein Staketenzaun gesetzt. Bei der Umgestaltung wurde auf den Einsatz vieler Strukturen geachtet. «Dort, wo es viele Strukturen, verschiedene Naturmaterialien und Pflanzenarten – vor allem einheimische – gibt, fühlen sich auch viele Tiere und Insekten wohl. Es fördert die Artenvielfalt. Wichtig sind sowohl sonnige als auch eher schattigere Plätze sowie der Wechsel von feuchten mit trockenen Stellen», erklärt der Gartengestalter. «Lebendige Strukturen schufen wir durch den Einsatz von Steinen, Flächen mit Gelbkies und Kieseln sowie einem Trockenmauerwerk bei der Kräuterschnecke. Wir legten Ast- und Laubhaufen an, pflanzten Wildsträucher und gestalteten den Garten mit Holz in Form eines Naturzauns.»

 

Lebendiges Totholz
Auch Totholz und ein Mini-Teich sorgen für einen Lebensraum für Kleintiere und Insekten. Steinige, trockene Orte wie Stein­haufen, Steinböschungen, Trockenmauern oder Stufen mit einem grossen Anteil an Hohlräumen dienen vielen Tieren als Kinderstube oder Unterschlupf im Winter. Kröten, Eidechsen und Insekten sowie viele andere Kleintiere finden hier eine Heimat. Für Pflanzen sind dies dünn besiedelte Extremstandorte. In diesem ­Naturgarten trifft man denn auch viele dieser Tierarten an. «Eine gewisse Unordnung im positiven Sinne ist notwendig, damit Lebensraum entsteht. Für viele Menschen ist es schwierig, diese Dynamik zu tolerieren.»

 

Ertragreicher Gemüsegarten
Gestalterisches Element sowie Schutz vor Tierfrass bietet der Staketenzaun, des Weiteren sind Gemüse und Kräuter ein wichtiger Teil im Seltisberger Garten. Lauch, Sellerie, Randen, Fenchel und Kohl gedeihen hier gut. Was wegen des lehmigen Bodens nicht klappt, sind Rüebli. Im gemeinsam mit den Nachbarn genutzten Treibbeet werden Spinat, Salate, Kräuter, Tomaten und Auberginen gezogen. Dazu kann man sich an Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren erfreuen. Einheimische Sträucher wie Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Kornelkirsche (Cornus mas), Holunder (Sambucus nigra), Sanddorn (Hippophae rhamnoides) und Liguster (Ligustrum vulgare) wachsen hier, daneben gibt es noch einen alten Zwetschgenbaum (Prunus domestica subsp. domestica), der von einer Kletterrose (Rosa multiflora) berankt wird. Die zahlreichen Wildblumen versamen sich von Jahr zu Jahr selber aufs Neue oder werden nachgesät. Eine bunte Mischung aus Wegwarte (Cichorium intybus), Königskerze (Verbacum densi­florum), Natternkopf (Echium vulgare), Borretsch (Borago officinalis), Lein (Linum usitatissimum) und vielen Ringelblumen (Calendula officinalis) sowie aus verschiedenen Malvensorten wird man hier im Frühsommer antreffen. Pflegeleichte Ziergräser der Sorten Pennisetum alopecuroides, Miscanthus sinensis, Briza media und Luzula nivea bereichern den Nutz- und Blumengarten mit ihren wippenden Halmen auch in der kalten Saison. Diese werden natürlich stehen gelassen, dienen sie doch als Schmuck sowie als Unterschlupf für Kleinsttiere.

Text: Lioba Schneemann   Bild: Natacha Salamin

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