Igel-Tipps von A bis Z
Obwohl Igel zu den beliebtesten Gartengästen zählen, ist ihr Bestand alarmierend rückläufig: Europaweit wurde der Igel 2024 erstmals auf der Roten Liste der bedrohten Arten als «potenziell gefährdet» aufgeführt. Wir zeigen Ihnen mit unseren Igel-Tipps von A bis Z, wie Sie die Stacheltiere in der Natur und im Garten fachgerecht unterstützen können.
Akzeptanz
Der Igel lebt mitten unter uns Menschen, in unseren Gärten. Deshalb ist er auf unsere Toleranz angewiesen, wenn er mal sein Häufchen auf der Terrasse macht oder mit seiner Schnauze trichterförmige Löcher in den Rasen bohrt. «Freuen Sie sich, wenn Sie einen Igel in Ihrem Garten haben», ermuntert Anja Straumann alle Gartenbesitzerinnen und -besitzer.
(siehe auch -> Lebensraum -> Unwissenheit)
Bedrohungslage
Europaweit wurde der Igel 2024 erstmals auf der Roten Liste der bedrohten Arten als «potenziell gefährdet» aufgeführt. «Der Igel hat die Dinosaurier überlebt», sagt Anja Straumann von der Igelhilfe Baselbiet, «aber wegen der Ignoranz von uns Menschen wird er wahrscheinlich irgendwann aussterben.»
(-> Fadenmäher -> Gift -> Licht ->Mähroboter -> Netze -> Pools ->Verkehr)
Dachs
Hauptfeind Nummer 1 neben uns Menschen ist der Dachs. In Waldnähe, wo Dachse ihre nächtlichen Streifzüge machen, sind oft keine Igel im Garten anzutreffen.
(-> Lebensraum)
Erholungszeit
Weil Igel Wildtiere sind, sorgen die Igelstationen dafür, dass die Tiere innert nützlicher Frist genesen und zurück in ihr Revier gebracht werden können. Bei schwereren Verletzungen dauert der Aufenthalt maximal 6 Wochen.
(-> Fadenmäher -> Kosten -> Mähroboter)
Fadenmäher
«Ein sehr gefährliches Gerät für die Igel», findet Anja Straumann. Im letzten Jahr mussten 80 % der aufgefundenen Igel eingeschläfert werden, weil die Verletzungen so gravierend waren. Falls es ohne Fadenmäher oder Trimmer nicht geht, suchen Sie unbedingt vor dem Mähen mit einem Stecken oder Rechen das Gebüsch oder das hohe Gras ab. Wie das funktioniert, sehen Sie im Video der Igelhilfe Baselbiet.
Fluchtverhalten
Igel sind keine Fluchttiere – vielmehr rollen sie sich bei Gefahr an Ort und Stelle zu einer Kugel zusammen. Somit sind sie äusserst gefährdet, durch Maschinen und Autos verletzt zu werden.
(-> Fadenmäher -> Mähroboter -> Verkehr)
Gift
Auf dem Speiseplan der Igel stehen in erster Linie Insekten wie Käfer, Larven, Ohrwürmer, Tausendfüssler oder Spinnen und in geringer Anzahl auch Schnecken. Verwenden Sie deshalb keine Pestizide und keine Herbizide im Garten – beides hat tödliche Folgen für die Tiere.
(-> Bedrohungslage -> Insektensterben -> Schnecken)
Hygiene
Igel sind Parasitenträger, daher ist Hygiene das oberste Gebot: ob in der Igelstation, im Igelhaus oder am Futterhaus. Sonst drohen Krankheitsübertragungen.
Igelhaus
Ein Schlafhaus kann sinnvoll sein, denn heute finden Igel kaum noch gute Winterquartiere. Naturverstecke wie Laubhaufen, Hecken und Totholz sind durch die Lebensraumzerstörung weniger geworden. Ein verwinkelter Eingang hält Füchse und Hunde vom Schlafraum fern, dieser muss gut belüftet sein. Auf pikpik.ch sind Schlafhäuser und Futter erhältlich – und bald auch ein Futterhaus der Igelhilfe Baselbiet.
Insektensterben
Bis zu 75 % weniger Insekten, so der erschreckende Rückgang verglichen mit den 1990er-Jahren. Das ist eine schlechte Nachricht für die Igel. Denn Insekten sind seine Hauptnahrung, und wo er nichts zu essen findet, kann er nicht bleiben.
(-> Schnecken -> Zufütterung)
Jungtiere
Nach einer Tragzeit von gut 1 Monat wirft die Igelin zwei bis sieben Jungtiere. Der Grossteil kommt in den Monaten Juni bis August zur Welt. Im Alter von 3 bis 4 Wochen verlassen die Jungen erstmals das Nest und unternehmen selbständig Ausflüge. Das kann auch tagsüber geschehen; ein Nachtfahrverbot für Mähroboter löst die Verletzungsgefahr also nur teilweise
(-> Mähroboter -> Nest).
Karussell
Während der Paarungszeit zwischen Mai und August rennen die Männchen im Kreis um die Weibchen herum – das sogenannte Igelkarussell. Nach der Paarung sind die Männchen ausgepowert und lassen sich oft erschöpft ins hohe Gras fallen. Dann sind sie weniger aufmerksam und die Verletzungsgefahr ist besonders hoch
(-> Fadenmäher -> Mähroboter)
Kosten
Die Igelhilfe Baselbiet betreibt drei Igelstationen in Binnigen, Gempen und Wahlen. 2024 betrugen allein die Kosten für Tierarzt und Medikamente über CHF 20 000.–. Die Igelstationen werden von Freiwilligen betreut und erhalten keine öffentlichen Gelder. Spenden Sie deshalb einer Igelstation in Ihrer Nähe, wenn Sie etwas Gutes tun wollen.
(-> Bedrohungslage)
Lebensraum
Igel sind sogenannte Kulturfolger, das heisst, sie leben im Siedlungsgebiet. «Wir haben den Igel zurück in den Wald gebracht», bekommt Anja Straumann oft zu hören. «Das ist gut gemeint, aber schlicht falsch, denn Igel leben nicht im Wald.»
(-> Akzeptanz -> Dachs -> Revier)
Licht
Nachtaktive Insekten sind die bevorzugte Nahrung des Igels. Leider führt die Lichtverschmutzung dazu, dass diese anstelle der Paarung häufig bis zur Erschöpfung um Laternenlichter herumflattern. Löschen Sie deshalb in der Nacht das Licht in Ihrem Garten.
(-> Bedrohungslage -> Insektensterben)
Mähroboter
«Auch der Mähroboter ist ein äusserst gefährliches Gerät für die Igel.» Die meisten Mähroboter machen keinen Halt vor Igel, Kröte & Co. In Österreich wurde kürzlich gar ein 11 Monate altes Kind überrollt. Lassen Sie deshalb den Mähroboter nur unter Aufsicht seine Arbeit tun. Ein weiteres Argument: «Der Boden ist irgendwann tot, wenn der Rasen jeden Tag gemäht wird», sagt Anja Straumann.
(-> Insektensterben)
Nest
Oft wird ein Hohlraum mit Blättern, Gras und anderem Nistmaterial ausgepolstert. Manchmal bauen Igel ihre Nester auch in einer Bodenkuhle im hohen Gras. Kürzlich hatte Anja Straumann geschockte Leute in der Igelstation, die in ihrem Naturgarten den Rasen mähten – und eine Igelmutter auf ihrem Nest tödlich verletzten. Laufen Sie deshalb das Gras ab, bevor Sie mähen, und schauen Sie gut hin.
(-> Jungtiere)
Netze
Die oft eingesetzten orangen Weidezäune wirken wie ein Fangnetz: Die Igel können sich nicht selbst befreien. Führen die Netze Strom, erleiden sie darin einen qualvollen Tod. Igel verheddern sich zudem mit den Stacheln, wenn Vogelschutznetze in Bodennähe nicht gespannt sind oder nach Gebrauch achtlos liegengelassen werden.
(-> Bedrohungslage)
Pools
Auch Schwimmbäder und Teiche sind tödliche Fallen für Igel, denn sie sind keine guten Schwimmer. Pools sollten mit einer Ausstiegshilfe versehen sein; Teiche können mithilfe von Steinen sanft vom tiefen in den seichten Wasserbereich führen.
(-> Bedrohungslage)
Qualen
Wenn Igel Schmerzen haben, können sie schreien – «das geht durch Mark und Bein», weiss Anja aus Erfahrung. Doch es gibt auch Igel, die still Schmerzen erdulden. «Die Vorstellung ist mir unerträglich, dass ein Igel mit abgetrennten Gliedmassen noch tagelang leiden muss, ehe er verendet.»
(-> Fadenmäher -> Mähroboter)
Revier
Igel sind sehr reviertreu, weshalb sie nach der Genesung wieder dort ausgewildert werden, wo sie aufgefunden wurden. Die Männchen bewohnen ein Revier von bis zu 1 km², bei den Weibchen ist die Reviergrösse mit rund 0,3 km² markant kleiner. Zur Nahrungssuche legt ein Igel pro Nacht etwa 3 bis 5 km zurück.
(-> Lebensraum)
Schnecken
Regenwürmer und Schnecken gehören nicht zur Leibspeise des Igels; sie werden nur gefressen, wenn keine ausreichende Nahrung zur Verfügung steht. Sie gelten als Zwischenwirt für viele Innenparasiten, etwa Lungenwürmer, was vor allem junge und ältere Tiere tödlich schwächen kann.
(-> Insektensterben -> Trockenheit)
Trockenheit
Igel suchen mit ihren Schnauzen nach Larven im Boden – ist es zu trocken, finden sie keine Nahrung. Wichtig ist, im Sommer immer frisches Wasser im Garten zur Verfügung zu stellen, z. B. in einem grösseren Unterteller. Dieses muss täglich gewechselt werden.
(-> Insektensterben)
Unwissenheit
«Die Leute machen das nicht aus Bosheit, sie denken einfach nicht daran und wissen zu wenig, wo Igel sich in ihrem Garten aufhalten», sagt Anja Straumann. Es gehe so schnell, dass ein Igel im Garten verletzt werde. Tagsüber halten sich Igel vor allem unter Sträuchern, in Hecken oder im hohen Gras auf.
(-> Fadenmäher -> Mähroboter)
Verkehr
Früher war das Auto der grösste Feind des Igels. Dass heute viel weniger Igel überfahren werden, zeigt bloss, dass es weniger Tiere gibt.
(-> Bedrohungslage)
Wilde Ecke
Am allerbesten ist ein Naturgarten, der mit der Sense gemäht wird. Doch Sie können auch eine oder mehrere wilde Ecken in Ihrem Garten der Natur überlassen, wo es wachsen und spriessen darf und Rückzugsmöglichkeiten in Form von Ast- und Laubhaufen gibt. Es ist einzig und allein darauf zu achten, dass vorwiegend heimische Pflanzen wachsen und Neophyten ferngehalten werden.
(-> Lebensraum)
Zufütterung
Die Igelhilfe Baselbiet plädiert für eine moderate Zufütterung, besonders im Frühling und im Herbst. Die Zufütterung muss unter hygienischen Bedingungen in einem speziellen Futterhaus erfolgen, wo keine anderen Tiere Zugang haben (Bilder links). Ein solches Haus kann auch selber gebaut werden. Der Igel ist ein Fleischfresser. Viele Igelfutter beinhalten Getreide und Früchte – «das schadet den Igeln mehr, als dass es nützt», sagt Anja Straumann. Die Igelhilfe Baselbiet verfüttert die Marke «Claus Igelfutter getreidefrei». Zur Not kann auch ein getreidefreies Trockenfutter für Katzen verabreicht werden. Achtung: Niemals Milch geben.
(-> Igelhaus -> Insektensterben -> Trockenheit)
Zugänglichkeit
Viele Gärten sind heute hermetisch abgeriegelt, Igel können nicht zwischen ihnen zirkulieren. Schaffen Sie kleine Durchschlupfe in Ihrem Gartenzaun – und schon ist Ihr Garten offen für tierische Besucher. Bei einem Maschendrahtzaun helfen Sie den Igeln, wenn Sie eine Lücke zum Boden lassen. Geeignet sind auch sogenannte Jägerzäune aus Holz, die unten einen Durchschlupf offen lassen.
(-> Lebensraum ->Revier)
Text: Stefanie Stäuble Foto: Envato Elements
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