Gute Planung ist die halbe Ernte
Die Vorbereitung auf das Gartenjahr erfordert in der Samengärtnerei Zollinger Bio eine hohe Begabung in Mathe und ein aussergewöhnliches Talent in Tetris. Vom Planungsgeschick der Brüder Zollinger lässt sich zum Glück auch einiges in den Hausgarten übertragen. Denn wie heisst es so schön: gute Planung ist die halbe Ernte.
Jede Gärtnerin und jeder Gärtner weiss: Wer im Sommer reich ernten will, sollte im Winter einen Moment innehalten und planen. Die kalte Jahreszeit eignet sich perfekt, um Beete einzuteilen, Kulturfolgen zu überlegen und zu entscheiden, welche Gemüse und Blumen in welcher Reihenfolge gedeihen sollen. Ein wenig Planung erspart viel Stress – und verhindert zum Beispiel, dass die Tomaten genau dann reif werden, wenn man in den Ferien ist. Schliesslich gilt: Guter Planung ist die halbe Ernte!
450 Sorten
Auch bei uns in der Saatgutproduktion beginnt jetzt die wichtigste Phase: die Anbauplanung. Doch was im Hausgarten schon komplex ist, wird bei uns zu einem grossen logistischen Puzzle. Denn über 450 Sorten gehören zu unserem Sortiment, rund ein Drittel davon bauen wir jedes Jahr an. Damit die Samen sortenrein bleiben und am Ende genügend Ertrag liefern, braucht es ein ausgeklügeltes System.
Excel-Tabellen büffeln
Mein Bruder Tizian, unser Züchtungs- und Produktionsverantwortlicher, zieht sich im November ins Büro zurück – ein ungewohnter Anblick für jemanden, der sonst am liebsten mit den Händen in der Erde gräbt. Dort arbeitet er sich durch ellenlange Excel-Tabellen, die unsere Logistikchefin Aurélie vorbereitet hat: Für jede Sorte wird exakt berechnet, wie viel Saatgut wir bis zu 4 Jahre im Voraus benötigen.
Abstand halten
Hat Tizian einmal die benötigten Flächen berechnet, geht es ans Einteilen der Parzellen. Was gehört ins Freiland, was eher ins Gewächshaus? Welche Beete sind aufgrund der Vorkultur nicht geeignet, damit wir bodenbürtige Krankheiten vermeiden können? Besteht genügend Abstand zu verwandten Arten, damit es nicht zu Kreuzungen kommt? Für insektenbestäubte Pflanzen – dazu zählen Kürbis, Zucchetti, Gurken, Tomaten und Bohnen – reicht ein Abstand von rund 800 m. Anders sieht es bei Ziergräsern, Mais oder Getreide aus, die durch den Wind bestäubt werden. Hier müssen zwischen den unterschiedlichen Kulturen bis zu 2 km eingerechnet werden, damit keine Kreuzung entsteht.
Achtung Fremdbestäubung
Das Kreuzungsrisiko ist bei uns ein äusserst wichtiger Faktor, bei dem wir einen sehr hohen Qualitätsanspruch und deshalb eine absolute Nulltoleranz haben. Unsere Kundinnen und Kunden haben grosse Erwartungen und würden wahrscheinlich ziemlich staunen, wenn die Keimlinge aus unseren Samen nicht den Packungsangaben entsprechen. Um das zu vermeiden, gibt es verschiedene Möglichkeiten: das Isolieren verwandter Arten durch Distanz oder durch Netze – oder aber durch zeitlichen Abstand. Dies gelingt durch den Anbau in verschiedenen Jahren oder versetzt in frühen, respektive späten Sätzen. Das Ziel ist immer, eine 100%ige Kontrolle über den Bestäubungsprozess zu haben.
Tetris des Samenbaus
Je mehr Form der Plan annimmt, desto sichtbarer wird das landwirtschaftliche Tetris. Jede Sorte muss auf die passende Fläche, in den richtigen Zeitraum und in die ideale Nachbarschaft. Wenn Tizian irgendwann im Dezember fröhlich aus dem Büro kommt, wissen alle: Der Anbauplan steht!
Text Tulipan Zollinger Foto Stephanie Wittmer
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