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Gut gestützt

Pflanzenstützen natürlich

Gut gestützt

Stützen oder nicht stützen? Unter Gärtnerinnen ist das eine Glaubensfrage. Fakt ist: Manche Pflanzen bedanken sich für eine artgerechte Unterstützung mit einer herrlichen, ungeknickten Blütenpracht.

Kräftige Regengüsse und heftige Windböen bringen oft auch stabile Stauden zum Einknicken, Auseinanderfallen und Umkippen. Leider wird das meist zu spät bemerkt. Einmal umgefallene, gebeugte und gekrümmte Staudenstiele werden auch durch späteres Aufbinden nicht mehr gerade. Besser ist es, vorsorglich zu agieren. Als Gärtnerin kennt man ja seine Schützlinge, die sich Jahr für Jahr dem Wettergott beugen. Meist sind es die regennassen Pfingstrosen, die hohen Herbstastern, edle Rittersporne, gefüllte Dahlien und natürlich die geliebten Ballhortensien ‘Annabelle’. Sie alle können Unterstützung gut gebrauchen.

 

Die Insel vor Augen
Man kann sich bei diesem Thema auch von den berühmten Gärten Englands wie Great Dixter oder Sissinghurst inspirieren lassen, denn dort ist das richtige Stützen von Stauden ein entscheidender Aspekt der gärtnerischen Pflege ihrer üppig bepflanzten «Borders». Ästhetik ist dort von höchster Bedeutung, und die Unterstützungssys­teme sollen sich unauffällig ins Beet integrieren. Kein Wunder also, dass von der Insel intelligente Lösungen kommen, um die Blütenpracht in Zaum zu halten und den Pflanzen Halt zu geben. Dies gelingt mit natürlichen Materialien, etwa stark verzweigten Haselnussruten oder Birkenästen. Diese werden im Frühjahr beizeiten rund um die Pflanze tief in die Erde gesteckt, in etwa 50 cm Höhe zur Mitte hin umgeknickt und etwas ineinander verflochten, ganz ohne Draht oder Kunstbast. Das sieht im Moment zwar etwas seltsam aus, wird aber schnell überwachsen, ist dann ausgesprochen unauffällig und hält «bombenfest». Im Spätherbst kann alles zusammen auf den Kompost: ökologisch, praktisch, gut.

 

Aufbinden ganz natürlich
Beim Gang durch den Garten ist man ständig dabei, irgendwelche Pflanzen aufzubinden. Der Umwelt zuliebe greift man besser zu Sisalgarn, Juteschnur, Grasband und Raffiabast oder lebt seine Kreativität aus, indem man wilde Clematisranken, Bindebänder aus alten Stoffresten oder selbstgedrehte Schnüre aus Rossschweif-Haaren zum Anbinden der hochgeschossenen Stockrose am Gartenzaun verwendet. Absolut emp­fehlenswert, weil einfach und schnell zu handhaben, sind Pflanzenbinder aus Drahtkordel. Sie bestehen aus unverzinktem, dünnem Draht, der mit Papier ummantelt ist. Sie sind super biegsam, sehr stabil und pflanzenschonend. Im Handel ist Drahtkordel als Spule oder als Bundware in unterschiedlichen Längen erhältlich.

 

Ein Knoten für mehr Halt
Das Binden mit Naturmaterialien wie Weide, Binsen oder Stroh war früher selbstverständlich, ist aber mit dem Aufkommen der Kunststoffe leider völlig in Vergessenheit geraten. Vor allem die jungen Triebe der Silberweide (Salix alba) geben hervorragende Binder ab, die zum Teil heute noch – oder wieder – im Weinbau verwendet werden, um Plastikmüll zu vermeiden. Die Technik ist ganz einfach und kann auch gut zum Fixieren von Kletterpflanzen wie Wein, Ramblerrosen, Trompetenblume (Campsis) und Kiwi verwendet werden. Das dickere Rutenende wird mehrmals um das dünnere gewunden, dann der Knoten gegen die Drehrichtung eingedreht und festgesteckt. Die überstehenden Rutenreste werden gegebenenfalls eingekürzt.

Pflanzenknoten

Text und Bild: Bärbel Steinberger

 

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