Freilandtomaten im Paradies

Freilandtomaten im Paradies

Vergessen Sie alles, was Sie je über Tomaten gelernt haben! Der Österreicher Erich Stekovics kultiviert sie mitten auf dem Feld und so, wie die Natur sie geschaffen hat – der volle Geschmack und die reiche Ernte geben ihm recht.

Wenn Erich und seine Frau Priska die Führung auf dem Hof beginnen, bekommt die neugierige internationale Teilnehmerrunde sofort Erstaunliches zu hören. Erich kommt gleich zur Sache, wenn er erklärt, dass im Freiland gepflanzte Tomaten keinesfalls gegossen werden dürfen. Hier im burgenländischen Seewinkel finden die Strauchtomaten ideale Be­din­gungen vor: viel Sonne, Wind, kaum Regen und milde Nächte. Doch vorerst fallen die Früchte kaum auf, man sieht nur unzählige auf Stroh gebettete «Hügel» die seit Wochen keinen einzigen Tropfen Wasser abbekommen haben. Das grosse Wunder spielt sich unter der Erde ab: «Eine Tomate, die im Freiland nicht gegossen wird, kann eine Wurzeltiefe von 1,70 m und eine Länge von bis zu 800 m pro Pflanze erreichen», weiss der Tomatenexperte – und zwar ganz genau, seit man an der Uni Innsbruck die Wurzeln seiner Pflanzen zu Forschungszwecken untersuchte. In der Tiefe der Erde holt sich die Pflanze die nötige Feuchtigkeit, während bei einer Bewässerung die Wurzeln nicht in die Tiefe wachsen, sondern sich nur knapp unter der Oberfläche verzweigen. Dies führe dazu, dass bei künst­licher Bewässerung oder bei Regen alle Wurzeln gleichzeitig im Wasser stehen und die Tomatenpflanze in der Folge erkrankt. Hart ins Gericht geht der Tomatenzüchter auch mit dem Ausgeizen, also dem Ausbrechen von Achseltrieben, denn es füge der Pflanze nur unnötige Verletzungen zu, die sie schwächen und über die Pilze und Viren eindringen können.

Erichs Praxis-Tipps für Tomaten:

  • Aussaat: Für die Aussaat von Tomaten nennt Erich Stekovics den 1. April als frühesten Termin. Setzlinge, die länger als 6 Wochen in einem kleinen Topf gehalten werden, entwickeln verkrüppelte Wurzeln. Das schwächt die Pflanze, die zudem, wenn sie lange in Innenräumen heranwächst, extrem in die Höhe schiesst.
  • Boden: Der ideale Gartenboden ist leicht, sandig, steinig und wasserdurchlässig. Schweren, lehmigen Boden verträgt die Tomatenpflanze nur in heissen, trockenen Sommern.
  • Freiland: Der Tomatenanbau im Freiland ist überall dort realisierbar, wo es weniger als 500 mm pro Jahr regnet. Auch die Wärme ist ein Kriterium: Am liebsten haben es Tomaten ab 18 ºC aufwärts. In der Schweiz eignet sich das Wallis am besten dafür – noch, denn der Klimawandel erwärmt auch andere Regionen der Schweiz.
  • Giessen: In der Topfkultur erkennt man eine durstige Pflanze, wenn sie am frühen Morgen die Blätter hängen lässt. Tut sie das nach einem heissen Tag, ist dies nicht unbedingt ein Zeichen für Wassermangel. Der Tomatenprofi empfiehlt für die Topfkultur 5 bis 10 Liter Wasser pro Woche, auf zwei- oder dreimal verteilt. Tomaten mögen keine Staunässe, deshalb Topfuntersetzer vermeiden. Auch wenn Freilandtomaten überdacht wachsen, sollten sie nicht gegossen werden, weil sich die Wurzeln die nötige Feuchtigkeit tief aus der Erde herausholen.
  • Hochbeet: Hochbeete sind besonders gut geeignet, weil die Pflanzenwurzeln tief in den Boden einwachsen können. Es besteht auch kein Risiko für Staunässe und die Tomaten können so wachsen, wie sie es lieben: nämlich hängend.
  • Topfkultur: Sie ist in unseren Regionen vorzuziehen, weil man Töpfe bei einem Kälteeinbruch verschieben oder schützen und sie gezielt an sonnigen Stellen positionieren kann. Pro Topf, mit einem Volumen von mind. 120 Liter, sollte nur eine Pflanze gesetzt werden. Am wohlsten fühlt sie sich darin, wenn der Inhalt aus je 1/3 Hackschnitzel, reifem Kompost und Pflanzenerde obendrauf besteht. Dünger braucht die Tomatenpflanze kaum, zur Verwöhnung eignet sich Pferdedung, weil er die Wurzeln nicht verbrennt.

Text & Bild: Rachele Z. Cecchini

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