Feines Sommergemüse
Mit unserer Biogärtnerin Alexandra wagen wir diesen Monat den Sprung über die Kontinente – zumindest was die Wahl des Gemüses anbelangt. Dabei
erfahren wir Erstaunliches über feines Sommergemüse und zu altbekannten und neuen Arten.
Eines der wohlschmeckendsten und witzigsten Gemüse, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist, ist der Wassermelonen- oder Daikonrettich (Raphanus sativus). Er kann jetzt direkt ins Beet gesät werden; erhältlich sind die Samen bei Wyss Samen Select. Der Clou des Rettichs mit hellgrüner Aussenhaut ist jedoch sein Innenleben: Unter den grünen und weissen Schichten der Schale ist das Fruchtfleisch dieses Rettichs pinkfarben. Die Optik ähnelt damit tatsächlich einer Wassermelone. Dünn geschält, damit nicht zu viel vom Grünen verloren geht, und anschliessend in Scheiben geschnitten, ist er als feines Sommergemüse in Salaten.
Robuste Dahlien
In den letzten zwei Wintern habe ich meine Dahlienknollen gar nicht mehr, wie es sonst meine Gewohnheit war, ausgegraben und im Keller deponiert. Ich hatte im letzten Herbst viel zu erledigen, und die Dahlien mussten warten. Das Jahresende war schon nah und irgendwann dachte ich mir: Jetzt ist es sowieso zu spät. Ich staunte deshalb nicht schlecht, als ich beim grossen Beete-Check im Frühjahr entdeckte, dass alle Knollen den Winter überstanden hatten und kräftig austrieben. Ich holte die tapferen Knollen mit der Grabgabel aus dem Boden, entfernte die lästigen Ausläufer des Gierschs und setzte sie mit einer grosszügigen Gabe Kompost in ein neues Pflanzloch. Bei dieser Gelegenheit ernte ich auch gleich jeweils einige Dahlienknollen: Sie sind essbar und schmecken gut, probieren Sie es mal aus. Die Knollen der Sorte ‘Hoamatland’ sollen geschmacklich an Schwarzwurzeln erinnern – selbst probiert habe ich sie noch nicht.
Amerika auf dem Grill
Bleiben wir gemüsetechnisch auf dem amerikanischen Kontinent, auf dem die Ursprünge so vieler unserer Nutzpflanzen liegen. Mais (Zea mays) war für viele indigene Kulturen ein stärkehaltiges Grundnahrungsmittel. Bei den Biosorten ist ‘Golden Bantam’ weit verbreitet und empfehlenswert. Mitte Mai werden die im kalten Gewächshaus vorgezogenen Pflanzen ins Freiland gesetzt. Da es in meinem Gemüsegarten einige Stellen mit extrem steinigem Boden gibt und die Erfahrung gezeigt hat, dass der Mais mit diesen Verhältnissen gut zurechtkommt, ist dies der Standort der Wahl. In jedes Pflanzloch kommt ein gehäufter Löffel Hornspäne für eine langsame, kontinuierliche Stickstoffversorgung.
Chaos im Beet
Mais eignet sich auch zur Kultur im Milpa-Beet, auch «Kultur der drei Schwestern» genannt. Mein erster Versuch mit der Mischkultur aus Mais, Bohne und Kürbis verlief ziemlich chaotisch: Die Stangenbohnen, die sich laut Anleitung am Mais emporwinden sollten, erstickten ihn mit ihrer Blattmasse, Zum Schluss war das ganze Gebilde zudem so stark von Kürbisranken überwuchert, dass die Triebe beim Ernten der Maiskolben und Stangenbohnen zwangsläufig zertreten wurden. Längere Nachforschungen zeigten: Statt der herkömmlichen Stangenbohnen wurden ursprünglich die halbhohen Reiserbohnen verwendet, die sich nur bis auf eine Höhe von knapp 1 1/2 m um die Maisstängel ranken. Am besten verwendet man für das Milpa-Beet deshalb die Schwefelbohne, benannt nach ihren gelb gefärbten Kernen: eine alte Rheintaler Sorte. Auch die Reiserbohne ‘Trail of Tears’, erhältlich bei dea-flora.de, eignet sich. Auch beim Kürbis sollte man fürs Milpa-Beet eine kompaktwachsende Sorte auswählen, damit man nicht mit ausufernden Ranken kämpfen muss. Zucchetti, die ebenfalls zu den Kürbisgewächsen zählen, eignen sich gut fürs Milpa-Beet.
Tipp: Maiskolben schmecken am besten, wenn sie direkt nach dem Pflücken mitsamt ihren grünen Hüllblättern auf die Glut gelegt werden. Die Hüllblätter verkohlen langsam, während der Kolben mit den zuckersüssen Körnern im Inneren im eigenen Saft gart.
TEXT Alexandra Milesi FOTO Susanna Nüesch
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