Eierglück und Hühnermist

Eierglück und Hühnermist

Warum ausgerechnet Hühner? Weil Hühner glücklich machen und ein frisch gelegtes Ei auf dem Teller einfach himmlisch schmeckt. Und den Dünger für den Garten gibt’s gleich kostenlos dazu.

Was hühnerhaltende Menschen schon lange durchschauen, ist jetzt auch wissenschaftlich erwiesen: Hühner sind schlau. Sie merken sich über 60 Hühnergesichter, sie können zählen und sie ziehen logische Schlüsse, für die der Mensch erstmal ein paar Jahre Lebenserfahrung braucht. Und selbstverständlich wissen sie, dass ein versteckter Gegenstand nicht einfach vom Erdboden verschluckt wurde. Die Büchse mit Mehlwürmern hinter meinem Rücken finden sie im Handumdrehen, und sollte ich beim Jäten zufälligerweise einen Wurm aufgeschreckt haben, nützt es nichts, ihn vor dem Zugriff spitzer Schnäbel tief in der Erde verstecken zu wollen – sie werden ihn finden. Hühner gackern auch nicht einfach vor sich hin, sondern haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und kommunizieren lebhaft miteinander. Genügen diese Fakten, um auch die Skeptiker unter Ihnen zu überzeugen? Nein? Dann noch dies: Hühner sind pflegeleicht, erkennen die Stimmen ihrer Betreuer und sprinten einem schon entgegen, bevor man sie selber sieht. Ausserdem erlebt man mit ihnen die witzigsten Situationen, die es wirklich wert wären, gefilmt zu werden.

 

Sich für Hühner entscheiden

Dass eine Hühnerschar wie andere Haustiere auch Betreuung braucht, ist klar. Man muss zwar nicht mit ihnen Gassi gehen, aber am Morgen möchten sie pünktlich aus dem Stall gelassen werden – wobei es natürlich auch automatische Hühnerklappen gibt, die eine zeitliche Flexibilität ermöglichen. Danach geht es da­rum, die Kotbretter zu putzen, Futter und Wasser aufzufüllen und einen Kontrollblick auf die Hühner und den Auslauf zu werfen. Dafür darf man dann die Eier ­einsammeln. Alle paar Wochen muss die Einstreu im Stall gewechselt werden und während der Ferienabwesenheit braucht das Hühnervolk kompetente Hühnersitter. Fest steht: Der Aufwand hält sich dennoch in Grenzen. Bevor man sich Hühner in den Garten holt, sollte man sich vorbeugend über die gesetzlichen Bestimmungen der Hühnerhaltung bei seiner Gemeinde erkundigen. In der Stadt Bern etwa bestehen keine speziellen Vorschriften, in Zürich hingegen wird innerhalb des Kleingartenareals das Einverständnis des Familiengartenvereins sowie von Grün Stadt Zürich benötigt. Ist dieser Punkt geklärt, steht der Gang zu den Nachbarn an. Bedenken wegen des Lärms (Hennen sind nach dem Eierlegen immer besonders mit­teilungsfreudig, was aber durchaus verkraftbar ist) oder wegen unangenehmer Gerüche (ist kein Thema bei einer überschaubaren Hühnerschar) können meist schnell aus dem Weg geräumt werden. Für die Haltung eines Hahns braucht es aber tolerante Mitmenschen, die sich nicht daran stören, frühmorgens durch ein munteres Krähen geweckt zu werden.

 

Welche Rasse darf’s denn sein?

Die Frage, welche und wie viele Hühner man sich zulegen will, hängt natürlich erst einmal von der Grösse des Grundstücks ab. So hält man sich bei bescheidenen Platzverhältnissen eben bezüglich Anzahl und Grösse der Hühner zurück oder entscheidet sich für Zwerghühner. Dabei sollte man berücksichtigen, dass Hühner Herdentiere sind und nicht einzeln gehalten werden sollen. Ein Hahn ist übrigens nicht zwingend nötig, da die Hühner sich auch ohne ihn problemlos organisieren und natürlich auch so in der Lage sind, Eier zu legen. Bei den nahezu 200 verschiedenen Hühnerrassen lohnt es sich, Aussehen und Charaktereigenschaften, Legefreudigkeit und das rassetypische Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen. Es gibt Rassen, die extrem scharrsüchtig sind und ihren Auslauf im Handumdrehen umpflügen. Dann wieder gibt es Hühner, bei denen wegen ihrer Flugtauglichkeit eine entsprechend hohe Einzäunung erforderlich ist, will man sie nicht ständig von den Bäumen der Nachbargrundstücke herunterholen müssen. Meine Wyandotten gehören da eher zur Gattung der Bruchpiloten, was die Rote trotzdem nicht davon abhielt, eines Tages wegen ein paar Beeren den Zaun zu überfliegen – leider reichte es dann nicht mehr für den Rückflug und ich fand sie erst nachts nach einer langen Suchaktion wieder, sichtlich eingeschüchtert im hintersten Winkel des Gartens. Wer einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten möchte, wendet sich an ProSpecieRara, wo man alte Hühnerrassen wie das Appenzeller Bart- und Spitz­haubenhuhn oder das behäbige Schweizer Huhn beziehen kann. Hat man sich für eine Rasse entschieden, sucht man sich die jeweiligen Züchter, die einem gerne auch mit hilfreichen Ratschlägen zur Seite stehen.

 

Ein Haus für die Hühner

Unterdessen ist es höchste Zeit, sich um einen geeigneten Stall zu kümmern, der genügend gross, hell und einbruchsicher (ein Marder passt auch durch ein kleines Loch) sein soll. Es empfiehlt sich übrigens auch hier, vorgängig die geltenden Bauvorschriften der Gemeinde zu studieren. Eingerichtet wird das Hühnerdomizil mit Sitzstangen, leicht zu reinigenden Kotbrettern (bei uns tun es grosse viereckige Blumentopf-Untersetzer), Wasser- und Futterbehälter sowie Legenestern. Wenn das Ganze mit einer üppigen Schicht Einstreu versehen ist, werden sich die Hühner schnell darin wohlfühlen. Ein angebauter Unterstand mit Staubbad garantiert den Tieren überdies, auch bei Schmuddelwetter Frischluft zu schnuppern und ihr Gefieder zu pflegen. Vogelsichere Netze im Auslauf schützen die Herde vor Bussarden oder Habichten, eine abwechslungsreiche Bepflanzung sorgt für die Beschattung.

 

Die Hühner sind eingezogen – und nun?

Haben die Hühner die erste Nacht im Stall verbracht sowie ihre erste Erkundungstour hinter sich und vielleicht schon das erste Ei gelegt, befindet man sich mitten im Leben als Hühnerhalterin oder -halter. Nun werden die Tiere bei der kantonalen Koordinationsstelle registriert, die bei einem möglichen Seuchenfall die Kontrolle übernimmt. Jeden Tag lernt man Neues dazu und wird dabei mit den Besonderheiten der Mauser, dem Brüten oder einem unfreiwilligen Milbenbefall, vor allem aber mit den einfallsreichen Intermezzi der neuen Mitbewohnerinnen vertraut gemacht. Wenn man dann mit einer Tasse Tee die muntere Hühnerschar bei ihrem lebhaften Herumwuseln beobachtet, fragt man sich, warum man eigentlich nicht schon viel früher damit angefangen hat.

Text & Bild: Hanni Käch

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