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Die Natur imitieren

Kalthaus Gewaechshaus

Die Natur imitieren

Im Kalthaus wird die Strahlungswärme zur ­Verlängerung der Anzuchtsaison genutzt. Die Saat beginnt früh, die Pflanzen keimen, sobald Temperatur und Feuchtigkeit stimmen.

Pflanzen, die mit unserem ganzjährigen Aussenklima nicht zurechtkommen, finden im Gewächshaus Unterschlupf. Es sind zum Beispiel Orchideen oder Gewächse, die im tropischen und subtropischen Klima beheimatet sind. Das warme oder temperierte Gewächshaus bietet den Pflanzen Schutz vor klirrender Kälte und anhaltender Nässe. Unter Glas erhalten sie das entsprechende Mikroklima, etwa mit erhöhter Luftfeuchtigkeit. Doch die Bewirtschaftung eines geheizten Gewächs­hauses ist mit einem entsprechend hohen Energieverbrauch verbunden.

 

Neutrale Wärmequelle

Ein Kalthaus hingegen kann nahezu klimaneutral bewirtschaftet werden. Es verfügt über keinerlei Heizung, sondern lediglich über gute Lüftungsmöglichkeiten. Die Innentemperatur wird durch Strahlungswärme erzeugt; diese entsteht, wenn die Sonnenstrahlen auf die Glasflächen treffen. Der Innenraum erwärmt sich langsam, immer im Zusammenspiel mit der Tageslänge und dem Standort. Wird im Kalthaus für die zur Keimung nötige Feuchtigkeit gesorgt, beginnt die Vegetationsperiode um einiges früher – ähnlich wie zu Grossmutters Zeiten, als Tomaten im Haus an einem warmen Platz ausgesät und danach zwischen den Vorfenstern angezogen wurden. Im Haus vorgezogene Jungpflanzen zeigen oft einen langen, schwächlichen und bleichen Wuchs – dies nennt man auch «Vergeilen», wenn die Pflanzen in Wohnräumen dem spärlichen Licht entgegenwachsen. Im Kalthaus hingegen wachsen sie langsam, je nach Temperatur und Lichteinfall – und sind entsprechend abgehärtet und stark.

 

Früher Start

90 % aller Gemüsearten können bereits im Winter oder im noch kalten Frühjahr gesät werden: etwa Kohlsorten, Blatt- und Wurzelgemüse, Mais oder Zwiebelarten. Während im warmen Gewächshaus die Samen innerhalb der genannten Zeitspanne gemäss Angabe des Saatgutherstellers keimen, kann dies bei der Wintersaat deutlich länger dauern. Sie keimen dann, wenn das Zusammenspiel von Feuchtigkeit und Wärme ideale Bedingungen schafft. Wird es danach kurzfristig kälter, ergibt sich ein Wachstums- bzw. Keimunterbruch, ganz wie bei einem natürlichen Wetterumschwung.          Folglich wachsen die Keimlinge bei idealen Witterungsbedingungen mehr, bei unwirtlichen Bedingungen kaum oder nur zögerlich. Dies ist jedoch zu ihrem Vorteil: Die Pflanzen werden stärker, vergeilen kaum und sind widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Zudem sind sie von Beginn weg abgehärtet.

Knackpunkt Nässe

Doch die Winteranzucht birgt auch Risiken: Zwar keimen die Pflanzen erst, wenn die Temperaturen und die vorhandene Feuchtigkeit es zulassen. Wird durch die fehlende Sonneneinstrahlung danach eine Wachstumspause eingelegt, ist Fingerspitzengefühl gefragt: Durch richtiges Lüften wird Stauwärme vorgebeugt, gegossen wird nur spärlich oder einmal kräftig, danach die Erde wieder leicht antrocknen lassen. So lässt sich die ansonsten schädliche Staunässe verhindern. In Nordeuropa wird gar die Schneeschmelze als regulierte Feuchtigkeitsabgabe genutzt (siehe Buchtipp). Dabei werden die noch trockenen Saatschalen im Winter mit einer Schicht Schnee zugedeckt. Werden die Tage länger und wärmer, beginnt dieser zu schmelzen. Die Saat wird feucht, die Temperatur steigt mit zunehmendem Lichteinfall und löst die Keimung aus.

 

Günstige Optionen

Steht nicht genügend Platz für ein kleines oder grösseres Gewächshaus zur Verfügung, bietet sich eine kostengünstige, sogar balkontaugliche Option an: ein Anlehgewächshaus, das im Prinzip wie ein Kalthaus genutzt wird. Dabei handelt es sich um einen mobilen oder fix montierten Anbau aus Glas oder Plastik, der für eine bestimmte Zeit an einem passenden Platz aufgestellt wird. Darin sind die keimenden Pflanzen vor sehr kalten Temperaturen geschützt. Auf der Südseite direkt an der Hauswand aufgestellt, erwärmt sich das Anlehngewächshaus bei Sonneneinstrahlung und fördert das Wachstum. Ein solches Anlehnhaus verfügt meist über Tablare, die sich in beliebiger Höhe montieren lassen und auf wenig Quadratmetern viel Platz in der Vertikale bieten. Bei den meisten Modellen lässt sich die Frontseite ganz öffnen, bei Bedarf sogar entfernen.

 

Vielseitiger Einsatz

Im Kalthaus können vor allem im Frühling und Herbst starke Temperaturunterschiede überbrückt werden. An sonnenintensiven Tagen wird so stark gelüftet, dass die Innentemperatur jene des Aussenraums nur wenig überragt. In kalten Nächten schützt das Glas sowie eine über die Fläche gelegte Isoliermatte vor Frost. Während der Sommermonate dient das Gewächshaus als zusätzlicher Wärmebooster und Nässeschutz für besonders empfindliche Pflanzen. Wo im Frühling erst Stauden und Gemüse keimen und zu Jungpflanzen heranwachsen, gedeihen während des Sommers Tomaten, Auberginen, Paprika, Chili oder andere wärmeempfindliche Pflanzen wie Melonen.

TEXT Ruth Schläppi   FOTOS zvg, Ruth Schläppi

 

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