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Der Duft des Sommers

Lavendel

Der Duft des Sommers

Jetzt blüht er wieder, und auch als Kübelpflanze auf der Terrasse wird er immer beliebter: der Echte Lavendel.

Die meisten verbinden Lavendel mit den prächtig leuchtenden Lavendelfeldern der Provence, andere erinnern sich beim Duft an den Kleiderschrank der Grossmutter. Lavendel ist eine der ältesten und sinnlichsten Heilpflanzen. Seit Jahrhunderten wird er wegen seines Dufts, seiner Farbe und seiner medizinischen Eignung wertgeschätzt. Botanisch gehört er zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist bei Bienen, Hummeln, Schmetterlingen & Co. äusserst beliebt. Ursprünglich stammt er aus der Mittelmeerregion. Schon die Römer gewannen aus ihm Badeessenzen – so bezieht sich auch sein Name auf das lateinische «lavare» (waschen). Benediktinermönche brachten ihn mit anderen mediterranen Gewächsen über die Alpen und pflanzten ihn in die Klostergärten, von wo aus er die Bauerngärten eroberte.

 

Drei Arten, viele Sorten

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Schopf-Lavendel (L. stoechas) und Speick-Lavendel (L. latifolia) gelten als die drei ursprünglich wild wachsenden Arten, aus denen die anderen nach und nach gezüchtet wurden. Als Echter Lavendel wird nur die Wildart von Lavandula angustifolia bezeichnet. Die davon ausgelesenen Sorten wie ‘Dwarf Blue’, ‘Hidcote Blue’ oder ‘Munstead’ werden als Garten-Lavendel gehandelt. Der berühmte Lavandin oder Provence-Lavendel (L. × intermedia) ist aus einer Kreuzung von Lavandula angustifolia mit Lavandula latifolia hervorgegangen und in allen Pflanzenteilen deutlich grösser und ertragreicher als der Echte Lavendel. Aus ihm wird das typische Lavandinöl gewonnen, das jedoch weniger wertvoll ist als jenes des Echten Lavendels. Auch ist diese Kreuzung deutlich frostempfindlicher, was bei Mitbringseln aus den Ferien zu bedenken ist.

 

Zweimaliger Schnitt nötig

Botanisch gesehen sind alle Lavendelarten Halbsträucher. Über den Winter ziehen sie nicht – wie etwa Katzenminze oder Steppen-Salbei es tun – komplett ein, sondern überwintern oberirisch mit teils verholzten, teils grünen Trieben. Das bedeutet, dass sich die Lavendelpflanze nicht jedes Jahr komplett neu aufbaut, sondern mehr und mehr verholzt. Um einem allmählichen Vergreisen vorzubeugen, ist ein regelmässiger Schnitt unverzichtbar – und zwar von Anfang an. Nur so kann die Vitalität und Blühwilligkeit über die Jahre erhalten werden. Der erste Rückschnitt sollte gleich nach der Blüte erfolgen, sodass die Pflanzen noch einmal gut durchtreiben und attraktiv in den Winter gehen. Der zweite Schnitt ist im späten Frühjahr angesagt, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind. Dabei sollte man durchaus grosszügig vorgehen: Je nach Verholzungsgrad kann um ein Drittel oder sogar die Hälfte eingekürzt werden. Der Schnitt sollte jedoch immer im Grünen liegen: Setzt man die Schere zu tief im alten Holz an, riskiert man, dass die Pflanzen nicht mehr austreiben.

 

Die schönsten Lavendelsorten

Da Lavendel eine beliebte Gartenpflanze ist, wird er in jedem Baumarkt angeboten. Die Preise dort sind sehr verlockend und mit etwas Glück erhält man vitale Pflanzen. Meist ist jedoch nicht angegeben, um welche Sorte es sich handelt. In Staudengärtnereien werden die verschiedenen Lavendelsorten vegetativ, das heisst durch Stecklinge vermehrt. Das ist aufwendig und hat seinen Preis. Wenn man aber die Sorte kennt, kann immer dieselbe nachgekauft werden, was bei einem x-beliebigen Lavendel aus dem Supermarkt unmöglich ist. Zudem gibt es im Fachhandel spezielle und sehr aparte Sorten: niedrige, die für Einfassungen oder Gräber geeignet sind, rosa und weiss blühende und sogar Sorten mit panaschiertem Laub.

 

Garten-Lavendel (Lavandula agustifolia)
  • ‘Dwarf Blue’: violett, kompakt, für Einfassungen geeignet
  • ‘Hidcote Blue’: dunkelviolett, gedrungen, für Einfassungen
  • ‘Lumière des Alpes’: tiefblau, lange Stiele
  • ‘Munstead’: blauviolett, kompakt und früh blühend
  • ‘Imperial Gem’: dunkelviolett, besonders aromatisch
  • ‘Blue Moutain White’: reinweiss, wüchsig
  • ‘Miss Katherine’: rosa, wüchsig

 

Provence-Lavendel (L. × intermedia)
  • ‘Grappenhall’: hellviolett, starkwüchsig, intensiv duftend
  • ‘Grosso’: blauviolett, der Provence-Lavendel schlechthin

 

Speick-Lavendel (L. latifolia)

violett, sehr aromatisch, jedoch äusserst kälteempfindlich

 

Schopf-Lavendel (L. stoechas)

violett, sehr empfindlich

TEXT Bärbel Steinberger   FOTO Envato

 

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