Christrosen: Heldinnen des Winters

Christrosen

Christrosen: Heldinnen des Winters

L enz- und Christrosen sind Pflanzen für all jene, die genug vom winterlichen Grau haben. Wer diese Heldinnen des Winters verehrt, streift schon im Dezember, spätestens aber an den ersten klaren Januartagen durch den Garten, hebt Äste empor, rückt Laub ­beiseite. Regt sich da etwas?

Wer einmal mit den charmanten Winterblühern zu experimentieren beginnt, wird sicher vom Helleborus-Fieber befallen. In der Schweiz sind vor allem Stinkende Nieswurz (H. foetidus), Christrose (H. niger) und Lenzrose (H. x hybridus resp. H.-orientalis-Hybriden) verbreitet. Als Erste blüht die Christrose, auf Französisch «Rose de Noël». Ihr folgen zwischen Fe­bruar und April die Lenzrose (H. x hybridus resp. H.-orientalis-Hybriden) und die Stinkende Nieswurz – ein wenig charmanter Name für eine Pflanze, deren rot umrandete, glockenförmige Blüten überaus ansehnlich sind. Streng riechen sie erst dann, wenn man das Laub zwischen den Fingern verreibt. Lenzrosen sind Hybriden aus H. orientalis und weiteren stammlosen Arten. Die Orientalis-Hybriden sind diejenigen, die mit ihren bunten Blüten sofort ins Auge springen.

Insektenfutter zur kalten Jahreszeit

Was die Helleboren besonders auszeichnet, ist ihre lange Blütezeit. Diese kann je nach Witterung und Art bereits zeitig im November beginnen und erst im April enden. Während des Abblühens verändern die Hüllblätter ihre Farbe und wechseln zu Grün und Rot. Dass sich die bezaubernden Blüten so lange halten, hat einen einfachen Grund: Das, was wir als Blütenblätter bezeichnen, sind in Wirklichkeit vergrösserte Kelchblätter. Die eigentlichen Blütenblätter haben sich im Laufe der Evolution zu einem Kreis kurzer, ringförmiger Blüten­organe umgewandelt. In ihnen wird der Nektar gebildet, der die wenigen Insektenarten, die jetzt schon unterwegs sind, magisch anlockt.

Stammlos und stammbildend

Etwa 20 Arten gehören zur Gattung Helleborus. Unterteilen lassen sie sich in zwei Gruppen: die stammlosen und die stammbildenden. «Stamm» ist hier allerdings nicht wörtlich zu nehmen. Während die einen sich durch einen kräftigen Wurzelstock auszeichnen, aus dem sowohl Blätter und Blüten getrennt voneinander entspringen, besitzen die stammlosen Arten ein unterirdisches Rhizom, aus dem die Blätter und blattlosen Blütenstängel wachsen. Die Christrose wurde als Medizin gegen Kopfschmerzen, Epilepsie und Wahnsinn eingesetzt. Doch schon die Kräuterbücher des 16. und 17. Jahrhunderts rieten zu einer vorsichtigen Anwendung – mit gutem Grund: Wie die meisten Hahnenfussgewächse sind auch die Helleboren in allen Pflanzenteilen giftig. Bereits der Pflanzensaft kann ­Hautreizungen verursachen.

Befallenes Laub wegschneiden

Helleboren sind in der Regel recht unempfindlich. Plötzliche Welke oder fahlgrüne Verfärbungen deuten meist auf einen Pilzbefall (Phytophthora-Wurzelfäule) hin. Dieser kann gerade in Töpfen gefährlich werden – daher immer auf den Wasserabzug achten und nicht zu viel wässern und düngen. Im Garten ausgepflanzte Helleboren können auch Opfer der Schwarzfleckenkrankheit (Coniothyrium hellebori) werden. Diese Pilzkrankheit äussert sich zunächst durch dunkle Flecken auf den Blättern, die schliesslich die Blütenstiele erfassen. Wichtig ist vor allem, das befallene Laub wegzuschneiden und im Hausmüll zu entsorgen. Helleboren mögen nährstoffreiche, kalkhaltige, weder zu trockene noch staunasse Böden. Der Standort sollte schattig bis halbsonnig sein, volle Sonne vertragen sie nur, wenn der Boden eher feucht ist. Im Wurzelbereich sollte man weder graben noch hacken – Helleboren sind Flachwurzler –, stattdessen bietet es sich an, im Herbst mit gut verrottetem Kompost zu mulchen.

Text & Bild: Judith Supper

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