Bonsai-Europameister Saimon Reddy
Mit Youtube-Videos fing alles an – heute ist der Berner Saimon Reddy ein Durchstarter in der Bonsai-Szene. Uns verrät er seine besten Tipps.
Dass das Internet nicht nur Nachteile, sondern auch viele Vorteile bietet, hat der Berner Saimon Reddy am eigenen Leib erfahren. Besonders auf Youtube fand er unzählige Lernvideos, die ihn anspornten – etwa jene des Londoner Bonsai-Meisters Peter Chan. Er kaufte seine ersten Bonsais und begann, sie mithilfe von Youtube-Videos zu gestalten, bis sie wie die Miniaturen alter, majestätischer Bäume wirkten. Dabei experimentierte er auch mit unterschiedlichen Substraten. «Ich habe alles durchgetestet – von Bims über Perlit bis Akadama, ein rotbraunes, vulkanisches Lehmgranulat», erinnert er sich schmunzelnd.
Unglaubliche Geschichte
Ein Freund überredete ihn, am Swiss New Talent Contest teilzunehmen – er gewann auf Anhieb. Im September 2024 folgte der European New Talent Contest im spanischen Reus, wo er die Schweiz repräsentierte. Die Teilnehmenden erhielten alle einen ähnlich aussehenden, wilden Wacholder. Innerhalb von 4 Stunden sollte daraus ein Bonsai entstehen; Saimon brauchte dafür eine halbe Stunde weniger. «Wacholder sind anspruchsvoll, ihr Holz ist hart und störrisch. Ich hatte als Training über 100 solcher Gehölze gestaltet.» Der Aufwand zahlte sich aus: Er gewann auch den europäischen Wettbewerb. Während diese Ausgabe des «Schweizer Garten» erscheint, wird er sich in Japan aufhalten – bei der Kokufu-Ten, der bedeutendsten Ausstellung, wo er mit dem renommierten japanischen Bonsai-Meister Koji Hiramatsu zusammenarbeiten darf. Saimon gehört damit zu einer neuen Generation europäischer Bonsai-Künstler, die auf internationalem Niveau mitwirken, ganz in der Tradition von Pius Notter, dem ersten Nicht-Japaner, der eine Ausstellung in Japan gewann.
So werden Bonsais geschnitten
Die wichtigste Frage beim Schneiden heisst: Was ist mein Ziel? «Der Baum soll eine Geschichte erzählen, die stimmig ist», sagt Saimon Reddy. Es ist die Geschichte vom Überleben im Kampf gegen Naturgewalten wie Wind oder Blitzschlag. Auch Totholz gehört zum Bonsai-Kunsthandwerk dazu, der Fachbegriff heisst «Sharimiki». «Die Japaner wählen zuerst die Frontseite aus», erklärt Saimon. «Danach schneiden sie von unten nach oben. Unten befinden sich die dickeren Äste. Die Bäume dürfen etwas nach vorne lehnen, so als ob sie eine windgepeitschte Form aufweisen.» Grob betrachtet, erfolgt der Schnitt wie auch die Düngung ab Austrieb im Frühling und wird ab Ende September eingestellt. Starkwachsende Pflanzen vertragen mehrmals im Jahr einen Schnitt. Der Pflegeschnitt dient der Erhaltung und Verfeinerung des Erscheinungsbilds des Bonsais. Fast jeder Baum hat von Natur aus die Tendenz zum Spitzenwachstum. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Spitze regelmässig zu reduzieren, um das Wachstum im Inneren der Baumkrone anzuregen. An neu gewachsenen Ästen werden immer nur zwei Triebe belassen. Drahten ist einzig angebracht, um die Äste in eine bessere Position zu bringen oder um den Baum optisch zu formen.
TEXT Stefanie Stäuble FOTO Bettina Häfliger
Saimons Bonsai-Website: www.hashiramabonsai.ch
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