Blackbox Gardening

Blackbox Gardening

Oft lohnt sich der Blick auf Vertrautes, um Überraschendes zu entdecken. Genau das ist der Fall, wenn man sich im Garten auf das «Blackbox Gardening», das Spiel der sich selbst versamenden Pflanzen einlässt.

Eine «Blackbox» («schwarzer Kasten») ist eine Metapher für ein in sich geschlossenes System, das von aussen betrachtet wird. Im Garten lässt sich das Prinzip ganz einfach beschreiben: zuschauen, abwarten und sich überraschen lassen. Nicht der Mensch, sondern die spezifischen Licht-, Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse ­entscheiden darüber, was wo wächst und was nicht wächst.

Freiheit für Pflanzen

Beim Blackbox Gardening werden Initialpflanzen, meist Stauden, mit sich selbst versamenden Ein- oder Mehrjährigen kombiniert. Anstatt diese durch aufwendiges Jäten und Beschneiden am vorgesehenen Platz zu halten, wird beobachtet, wie sie den Garten dynamisch verändern. Welches Samenkorn wird wo aufgehen? Wachsen die Pflanzen überhaupt? Finden sie Bedingungen vor, die ihnen gefallen? Sehen wir nur ein einziges Exemplar einer Gattung oder taucht es gruppenweise auf? Ein klassischer Pflanzplan ist nicht nötig, eine gewisse Idee, was wo wachsen könnte, allerdings schon. Nach erfolgter Saat werden sich die Pflanzen der ersten und zweiten Generation ihre Lieblingsstellen suchen und dort bleiben. Die dabei entstehenden Gartenbilder sind vielfältig und von Jahr zu Jahr anders. Grünes aus der schwarzen Kiste Den Begriff «Blackbox Gardening» haben der Gartengestalter Jonas Reif und der Staudengärtner Christian Kreß mit ihrem gleichnamigen Buch 2014 geprägt. Die Kunst besteht darin, eine Pflanzengruppe zu reduzieren oder ganz herauszunehmen, während eine andere wachsen und sich versamen darf. Ob Jungfer im Grünen (Nigella), Natternkopf (Echium), Licht- und Kartäusernelken (Silene dioica und Dianthus carthusianorum), Malve (Malva), Storchschnabel (Geranium pratense), Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota), Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) oder Königskerze (Verbascum) – dass sie auch an Orten auftauchen, wo man sie nie vorgesehen hat, ist durchaus im Sinne naturliebender Gartenbesitzer.

Ein Kommen und Gehen

In klassischen Staudenbeeten sind Pflanzen wie Mutterkraut (Tanacetum parthe­nium), Vexiernelken (Silene coronaria) und Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum) dankbare Arten, die die Einheit der vorhandenen Solitärpflanzen spielerisch auflockern. Sie brauchen nur ein paar offene Stellen, wo sie keimen und sich ausbreiten dürfen. Am einfachsten funktioniert es auf Kies- oder Splittflächen. Dazu wird der Oberboden abgetragen und eine 10 bis 15 cm tiefe Kies- oder Splittschicht eingebracht. Die damit geschaffenen mageren Böden sind für die wenigsten Beikräuter attraktiv. Königskerzen, Kokardenblumen (Gaillardia), Purpur-Leinkraut (Linaria purpurea) und Rote Spornblume (Centranthus ruber) hingegen fühlen sich dort pudelwohl. Am schönsten wirkt es, wenn fixe Grössen – beispielsweise Ziergräser, robuste Stauden und Beeteinfassungen – den Rahmen fürs Kommen und Gehen der sich selbst versamenden Pflanzen bieten.

Text & Bild: Judith Supper

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