Beerenliebe

Beerenliebe

Eine erfreuliche Beerenernte im Hausgarten kann Zufall sein, doch mit der entsprechenden Pflege kultiviert man erfolgreich Beeren. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten vorbeugende Massnahmen.

Erdbeeren – des Schweizers liebste Früchte

An milden Lagen reifen Erdbeeren bereits ab Ende Mai. Dafür werden in der 1. Augustwoche des Vorjahres ca. drei Grünpflanzen pro m2 gesetzt, die im Frühsommer zuvor eingetopft wurden. Mit wenigen vorbeugenden Massnahmen lassen sich Krankheiten eindämmen: Bevor man Erdbeeren pflanzt, lockert man den Boden und befreit ihn von Beikräutern. Mehrjährige Kulturen werden nach der Ernte ca. 5 cm über dem Boden abgemäht, dabei darf aber das Rhizom nicht verletzt werden (remontierende Sorten werden nicht geschnitten). Auch das Winterlaub wird entfernt, da es Pilzsporen enthalten kann. Erdbeeren sind durstige Gesellinnen, Staunässe sollte hingegen vermieden werden. Nach der Blüte die Fruchtstände mit Stroh oder Holzwolle unterlegen, damit die Früchte rasch abtrocknen und sauber bleiben. Zuvor Schneckenbekämpfungsmassnahmen vornehmen, Schattiernetze schützen vor Sonnenbrand und Vogelfrass. Bei Erdbeeren können Graufäule (Botrytis), Blattflecken oder Mehltau auftreten. Diese Pflanzenkrankheiten können vermieden werden, indem man die Pflanzen mit genügend Abstand setzt. Zudem sollte zu Beginn der Gartensaison etwas Stickstoff zugeführt werden – eine Handvoll Hornspäne reicht dafür aus. Bei Mehltaubefall ein Pck. Backpulver mit 3 l Wasser verdünnen und mit dem Zerstäuber auf die Pflanzen spritzen.

Himbeeren und Brombeeren – stacheliges Glück

Himbeeren und Brombeeren sind Rutenbeeren. Brombeeren sind wenig anspruchsvoll, was die Bodenverhältnisse anbelangt, während Himbeeren Ansprüche an den Standort stellen: Sie bevorzugen leichte, durchlässige Böden, die sich rasch erwärmen. Standorte, wo zuvor Himbeeren wuchsen, sind für den künftigen Himbeeranbau zu meiden. Im März lohnt sich eine Schaufel vollständig verrotteter Kompost und ev. noch eine Handvoll sauer wirkender biologischer Beerendünger. Allen Rutenbeeren ist gemeinsam, dass sie ein Gerüst benötigen – die Ruten werden am Draht laufend aufgebunden. Bei der Pflanzung benötigt man 2 bis 3 frisch getopfte Himbeer-Jungpflanzen pro Laufmeter. Brombeeren werden je nach Anbauform mit 1,5 bis 2,5 m Abstand (Fächer­erziehung) bzw. 3 bis 5 m (Palmettenerziehung) gepflanzt, am besten nach den Eisheiligen. Sommerhimbeeren, Brombeeren und Kreuzungen davon wachsen im Zweijahreszyklus. Im 1. Jahr werden die Jung­ruten angezogen. Nach der Überwinterung tragen diese im 2. Jahr. Im Frühling werden überlange Jungruten eingekürzt, damit die Stauung zu einem Austrieb der Seitentriebe (Lateralen) führt. Nach der Ernte werden die abgetragenen Ruten bodeneben herausgeschnitten. Für eine gleichmässige Ernte sind Jung- und Tragruten gleichzeitig im Bestand zu pflegen. Herbsthimbeeren werden in der ­Regel einjährig bewirtschaftet: Die Jung­ruten treiben im Frühjahr aus dem Boden aus, ab Anfang August reifen die Früchte.

Johannis- und Stachelbeeren – Erfrischung pur

In der Regel werden diese Ribes-Arten als Büsche mit 9 bis 12 Trieben gezogen. Sie gedeihen auf nährstoffreichen, lockeren Böden und sind auf eine regelmässige Zufuhr von reifem Kompost oder Mist angewiesen. Nebst dem hängenden Fruchtertrag brauchen die Pflanzen genügend Nährstoffe, um neues Fruchtholz zu bilden. Unter «Verrieseln» versteht man das Abfallen einzelner Blüten, besonders im unteren Drittel des Stiels. Insbesondere während der Blüte ist die Kombination des intensiven Winterschnitts mit einer ausreichenden Stickstoffversorgung von grosser Bedeutung, um das Verrieseln zu verhindern. Bei organischer Düngung Ende Februar mit Kompost oder Mist sollte man nach 6 Wochen nochmals mit Hornspänen nachdüngen. Wenn das Wachstum nachlässt, kann man Anfang Mai nochmals organischen Beerendünger nachreichen, denn die Düngung soll vor allem stickstoffbetont sein. Bei mineralischer Düngung sind zwei Gaben empfohlen, Ende Februar und Ende April.

 

Heidelbeeren – die aus dem hohen Norden

Kulturheidelbeeren (Northern Highbush Blueberries) gedeihen vielerorts prächtig. Voraussetzung dafür ist ein luftig-lockeres, wasserdurchlässiges Substrat. Zudem ziehen Heidelbeeren einen leicht sauren Boden vor, Holz- und Rindenschnitzel von Nadelgehölzen eignen sich hervorragend als Material. Bereits nach wenigen Jahren der Verrottung ähnelt das Schnitzelsubstrat einem Waldboden. Frische Schnitzel sind mit genügend Stickstoffdünger in diesen Verrottungsprozess zu überführen. Kulturheidelbeeren sind äusserst fruchtbar, daher ist bereits in den ersten Jahren ein regelmässiger Schnitt angezeigt. Es ist zudem ratsam, im 1. und ev. 2. Standjahr die Blüten abzustreifen. Mit dem Verzicht des Ertrags von frisch gepflanzten Jungpflanzen ermöglicht man diesen eine gute Entwicklung. Nach 4 bis 5 Jahren ist die Pflanze im Vollertrag und braucht einen intensiven Winterschnitt auf einjähriges Fruchtholz. Nach erfolgtem Schnitt wird jedes 2. bis 3. Jahr eine 10 bis 20 cm hohe Schicht an Holz- und Rindenschnitzeln ausgebracht. Ab Blühbeginn sind die Heidelbeersträucher auf Frostspanner-Befall zu kontrollieren. Der Schädling wird sehr wirkungsvoll von Meisen dezimiert, die in unmittelbarer Umgebung ihre Jungen aufzuziehen haben – ein Nistkasten mit der passenden Einfluglochgrösse ist eine Einladung, die gerne angenommen wird. Kurz vor der Ernte die Sträucher mit einem Vogelschutznetz schützen.

Text: Max Kopp, Inforama Oeschberg   Bild: Shutterstock

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